Das neue Gremium soll offen für alle sein

Diese Nachwuchspolitiker wollen Kassel im Jugendparlament verändern 

+
Wollen mitmischen: Lukas Joop, Feline Hoffmann, Julian Böer (von links) und viele andere Jugendliche in Kassel haben Lust auf politische Partizipation.  

Kassel. Von wegen Politikverdrossenheit bei Jugendlichen. In Kassel bereiten sich vier Nachwuchspolitiker zwischen 12 und 21 Jahren auf die Arbeit im Jugendparlament vor. 

Ist Kassel reif für ein Jugendgremium, für ein Parlament, in dem junge Leute ihre politischen Vorstellungen und Ideen artikulieren und diese dann umgesetzt werden können? Eindeutig ja, sagen Feline Hoffmann (17), Lukas Joop (17) und Julian Böer (16). Seit einem knappen halben Jahr informieren sich die Jugendlichen, führen Gespräche, sind am Sondieren, hören sich unter Kassels junger Generation um. 

Die Bereitschaft und die Lust, sich einzubringen und auch im Rathaus mit einer Stimme vertreten zu sein, sei groß. „Wir haben sehr positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Lukas Joop, der wie Feline Hoffmann die Jacob-Grimm-Schule besucht.

Sie träumen von einem breiten Beteiligungsprojekt, in das sich jeder Jugendliche einbringen kann. „Uns ist wichtig, dass alle Stadtteile vertreten sind, Schüler, Azubis und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Bereichen“, sagt Lukas. „Das Gremium soll offen für alle sein, und am Ende soll es für jeden vor Ort einen Ansprechpartner geben“, so Julian Böer.

Vorausgegangen sind bereits mehrere Workshops. Der Input sei gehaltvoll gewesen, so Lukas: „Das haben wir zusammengefasst, um uns einen Überblick zu verschaffen. Wir wollen mit möglichst vielen ausprobieren und erarbeiten, wie ein Jugendgremium aussehen könnte. Ziel ist ein Sprachrohr für Jugendliche zu sein, die weder Geld, noch eine Stimme und schon gar keine Lobby haben.“ Den Arbeitstitel, den sich die Jugendlichen gegeben haben: „jugendmachtkassel“.

Um zu gucken, wie Jugendparlamente anderswo funktionieren, haben sie Marburg besucht. „Das hat so viel Spaß gemacht zu sehen, dass Kinder und Jugendliche mit großen Engagement Vorschläge machen, ihre Interessen vertreten und sie von der Kommunalpolitik ernst genommen werden.“ Das sei die beste Medizin gegen Politikverdrossenheit und mache Mut, sagt Feline: „Viele Jugendliche fürchten sie seien abgehängt. Dabei sollte jeder das Gefühl haben, dass er die Welt verändern kann.“

Konkrete Ideen haben Lukas, Feline und Julian mit einem Dutzend Mitstreiter bereits mehr als genug. „Es sollte in langfristigen Projektgruppen gearbeitet werden“, sagt Julian Böer von der Max-Eyth-Schule, der auch Stadtschulsprecher ist. Dann könnten sich auch wechselnde Teilnehmer einbringen und das Ergebnis hänge nicht von Einzelpersonen ab. „Wichtig ist die Möglichkeit, dass sich viele beteiligen“, so Julian. Eine Kontaktperson im Rathaus, eine Art Geschäftsführer, sei wünschenswert.

Ideen für Themen reichen von der ÖPNV-Netzreform bis zur Neugestaltung des Fuldaufers. Für das noch gemeinsam zu skizzierende Jugendgremium dürften am Ende 17 000 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 21 über eine App abstimmen, so die Vorstellung der drei. Bedingung ist ein Wohnsitz in Kassel.

In einem Planspiel „Teste das Jugendgremium“ sollen am Samstag, 3. März, im Haus der Jugend Ideen ausprobiert und weiterentwickelt werden.

Das sagt die Dezernentin

Es ist ja eine ältere politische Forderung, ein Jugendparlament im Rathaus zu installieren, sagt Dezernentin Anne Janz (Grüne). Das Jugendamt sei deshalb beauftragt, zu eruieren, was möglich ist und wie man das Vorhaben sinnvoll verknüpfen kann mit der projektorientierten Kinder- und Jugendbeteiligung, die seit über 20 Jahren in Kassel praktiziert wird. „Wir unterstützen die Sondierungen und das Planspiel. Wir erhoffen uns davon Erkenntnisse, wie Jugendliche noch stärker an politischen Entscheidungen beteiligt werden können.“

Hintergrund

Kasseler Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren sind eingeladen, am Samstag, 3. März, auszuprobieren, wie sie ihre „Interessen am besten diskutieren und vertreten“ können. Der Workshop „jugendmachtkassel (Jumaka)“ findet von 11 Uhr bis 17.30 Uhr im Haus der Jugend, Mühlengasse 1, statt. Ab 18 Uhr wird gefeiert. Die Teilnahme ist kostenlos, für Essen und Getränke ist gesorgt. Veranstalter: Büro für Kommunikationsdesign folie8, Stadtschülerrat in Kooperation mit Jugendamt und Kasseler Jugendring. Anmeldung per E-Mail an info@jugendmachtkassel.de. Name, Alter und Adresse sollten angegeben werden.  www.jugendmachtkassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.