Fragen und Antworten 

Augen auf beim Dieselkauf: Diese Rabatte können Käufer erwarten

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Nach dem Urteil zu möglichen Diesel-Fahrverboten rechnen Branchen-Experten mit weiteren Preisnachlässen: Weil in Kassel ein Fahrverbot aktuell kein Thema ist, halten sich die Rabatte auf Neuwagen aber noch in Grenzen.

Kassel. Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben dafür gesorgt, dass viele Käufer die Nase voll haben vom Diesel. Vor allem Gebrauchtwagen sind nur mit großem Wertverlust zu verkaufen.

Wir sprachen über das Thema mit örtlichen Händlern und dem ADAC Hessen-Thüringen.

Welche Preisnachlässe gibt es auf Diesel-Fahrzeuge?

Das hängt zum einen von der Region ab. Dort, wo ein Fahrverbot für Diesel unmittelbar droht (etwa in Stuttgart), werden Händler stärkere Rabatte gewähren. „Wo weiterhin freie Fahrt für Dieselfahrzeuge herrscht, ist der Preis durchaus stabil, und eine hohe Nachfrage weiterhin vorhanden“, sagt Manuela Türoff vom ADAC Hessen-Thüringen.

Und wie verhält es sich in Kassel?

Die Stadt Kassel plant aktuell kein Fahrverbot. Zwar war in den vergangenen Jahren im Stadtzentrum der Grenzwert für Stickoxid überschritten worden. 2017 hatte er aber im Jahresmittel knapp darunter gelegen.

Das heißt, Diesel sind in Kassel nicht billiger geworden?

Das kommt darauf an, ob es sich um Neu- oder Gebrauchtwagen handelt. Bei Neuwagen mit Abgasnorm Euro 6 gewähren die Händler nur die „handelsüblichen Rabatte, die nicht direkt mit der Dieselkrise zusammenhängen“, sagen Jens-Uwe und Dieter Klein vom Autohaus Hermann Klein in Fuldatal. VW gewähre beim Kauf eines neuen Diesels zusätzlich eine Förderung von 1000 Euro plus Mehrwertsteuer.

Reinhard Ostmann, Geschäftsführer des Autohauses Ostmann, das mit mehreren Standorten in der Region vertreten ist, spricht ebenfalls von den „üblichen Rabatten“.

Ähnlich ist es bei Mercedes-Benz. Verunsicherung spüre er ohnehin nur bei Privatkunden, die über den Kauf eines neuen Diesels nachdenken, sagt Detlef Barthelmes, Geschäftsführer der Mercedes-Benz-Niederlassung Kassel-Göttingen. „Wer ein Fahrzeug leasen möchte, muss sich keine Gedanken um den Wertverlust machen. Und für Flottenkunden gibt es wegen der hohen Kilometerleistungen keine Alternative zum Diesel.“

Er sei weiter ein Freund des Diesels, sagt Barthelmes. Beim CO2-Ausstoß sei er im Vorteil gegenüber dem Benziner und zudem wirtschaftlicher.

Wie ist es mit den Preisen für gebrauchte Diesel?

Nach Daten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) haben gebrauchte Diesel weiter an Wert verloren. Drei Jahre alte Gebrauchtwagen mit Diesel-Motor erreichten Anfang 2018 noch 53,7 Prozent ihres ehemaligen Listenneupreises und standen deutlich länger auf dem Hof der Händler (im Schnitt 102 Tage).

„Wir orientieren uns beim Verkauf der Gebrauchtwagen an den Marktpreisen. Wenn die Preise sinken, ziehen wir mit“, sagt Reinhard Ostmann vom Autohaus Ostmann. Bei Mercedes-Benz in Kassel ist das nicht anders.

Im Autohaus Klein werden Käufer von gebrauchten Dieseln mit einer Null-Prozent-Finanzierung und einem Wartungs- und Inspektionspaket gelockt. „Diesel mit Euro 5-Norm zu verkaufen ist zwar schwerer geworden, es ist aber nicht unmöglich“, sagt Jens-Uwe Klein. Autos mit der Schadstoffklasse Euro 1 bis 4 seien kaum verkäuflich.

Und wie ist es mit der Umweltprämie?

Viele Hersteller bieten beim Kauf eines Neuwagens (egal ob Diesel oder Benziner) eine Umweltprämie bis zu 10.000 Euro an, wenn die Käufer ihren alten Diesel (Euronorm 1 bis 4) abwracken lassen. Die Aktion läuft bei vielen Herstellern Ende März aus.

Sollte man überhaupt noch einen Diesel kaufen?

„Wer in Umweltzonen fahren möchte, in denen Fahrverbote drohen, sollte sich für eine Alternative entscheiden oder mit dem Kauf eines Diesels warten, bis Fahrzeuge mit dem neuen Abgasstandard Euro 6d-TEMP bzw. Euro 6d verfügbar sind“, sagt Manuela Türoff vom ADAC. Denn es bestehe das Risiko, dass wegen zu hoher Stickoxidemissionen mit gebrauchten oder neu zugelassenen Diesel-Fahrzeugen mittelfristig nicht mehr in alle Innenstädte gefahren werden dürfe. Erst ab Euro 6d-TEMP oder Euro 6d seien Autos im Realbetrieb sauber.

Wer nicht in Städte mit drohenden Fahrverboten fahren muss, habe keine Einschränkungen zu befürchten. „Wer sich einen alten Diesel zulegen möchte, sollte mit Gelassenheit reagieren und abwarten, was lokal geschieht. Wer nicht in städtische Umweltzonen fahren muss, kann bei einem guten Angebot zugreifen“, sagt Türoff vom ADAC.

Wie beeinflusst die Dieseldebatte den E-Auto-Absatz?

„Wer einen neuen E-Golf bestellt, muss bis Herbst auf die Auslieferung warten“, so Dieter Klein vom Autohaus Klein. Durch die Kombination von Prämien und Förderungen könnten Kunden bis zu 11.000 Euro sparen.

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