Umstritten: In Kasseler Messehallen sind plastinierte Leichen zu sehen

Kassel. Martin Krüger hantiert mit dem Tod. Er ist verantwortlich für den Aufbau der Ausstellung „Echte Körper“, die am Freitag in den Kasseler Messehallen beginnt. Über 400 Exponate von konservierten Körpern und Körperteilen sind dort bis zum 21. August zu sehen.

Was für den Veranstalter der medizinischen Wissensvermittlung dient, ist für Kritiker kommerzielle Sensationshascherei.

Vier Tage lang hat es gedauert, bis die Schau auf 1500 Quadratmetern in der Messehalle Nummer drei aufgebaut war. Vorsichtig wurden die teilweise empfindlichen Exponate aus Kisten gehievt und in Glasvitrinen aufgestellt. Bis kurz vor Eröffnung wurden die Ausstellungsstücke in Position gebracht und mit Licht in Szene gesetzt. „Als wir mit der Ausstellung 2006 angefangen haben, war es noch komisch, mit den Körpern zu hantieren. Inzwischen ist es Routine“, sagt Krüger.

Zu sehen ist in der Messehalle etwa ein Körper, der auf zehn Metern Länge in Scheiben präsentiert wird. Wenige Meter weiter schwimmen unterschiedlich weit entwickelte Föten in einer Konservierungslösung.

Video vom Aufbau der Leichen-Exponate

Eine Drehung und der Zuschauer kann sich den Unterschied zwischen einer gesunden und einer Raucherlunge vor Augen führen. Auf Tafeln sind medizinische Erläuterungen zu den Exponaten zu lesen.

„Das ist eine rein medizinisch–anatomische Ausstellung. Hier gibt es nichts Ekliges“, sagt Carsten Krause von der Veranstalterfirma Promotionscout 24. Und sein Kollege Krüger ergänzt: „Ich hab’ hier noch kein Kind schreiend rausrennen sehen.“

Die Stadt Kassel sieht kein Handlungsbedarf. Es gebe weder für das Gesundheits- noch das Ordungsamt Anhaltspunkte für ein Eingreifen. „Bislang hat es auch keine Beschwerden gegeben“, sagt Hans-Jürgen Schweinsberg, Pressesprecher der Stadt.

Ein Bekannter aus der Branche ist indes nicht einverstanden mit „Echte Körper“. Gunther von Hagens, Macher der Leichenschau „Körperwelten“, mutmaßte, dass die Exponate seiner Konkurrenten aus zweifelhaften chinesischen Quellen stammen könnten. Promotionscout 24 streitet dies ab. Die Körper seien aus einem amerikanischen Körperspendeprogramm. Alle Spender hätten ihr Einverständnis erklärt, dass durch eine Ethikkommission überprüft worden sei. Von Hagens Kritik sei durchschaubar, sagt Krüger: „Wir sind die Konkurrenz.“

Rubriklistenbild: © Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.