Privaten Anlagen wurde nach Wegfall der EEG-Umlage modernisiert

Eine der ältesten Kasseler Solaranlage läuft und läuft und läuft

Sie wurden einst für verrückt erklärt: Hanne und Bernd Rist hatten mit vielen kritischen Fragen von Bekannten und Kollegen zu kämpfen, als sie vor über 20 Jahren ihre Solaranlage installieren ließen.
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Sie wurden einst für verrückt erklärt: Hanne und Bernd Rist hatten mit vielen kritischen Fragen von Bekannten und Kollegen zu kämpfen, als sie vor über 20 Jahren ihre Solaranlage installieren ließen.

Nach 20 Jahren fallen die ersten Solaranlagen aus der Vergütung nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz. Die Eigentümer stehen vor der Frage, was sie nun tun sollen? Abriss oder Umrüstung. Ein Kasseler Paar hat sie entschieden.

Sie gehören zu den Solar-Pionieren von Kassel: Hanne und Bernd Rist haben bereits vor mehr als 20 Jahren eine Fotovoltaik-Anlage auf ihrem Dach installieren lassen.

Damals war dies so revolutionär, dass ein Kamerateam in ihr Haus an die Kirchditmolder Wurmbergstraße kam, um das Leben mit Sonnenenergie zu dokumentieren. Vor wenigen Wochen gehörte das pensionierte Lehrerpaar abermals zu den Ersten.

Diesmal ging es um die Umrüstung. Denn nach 20 Jahren fallen nun die ersten Anlagen aus der Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Als im September 2000 die Techniker anrückten, um die Fotovoltaik-Anlage bei Familie Rist zu installieren, gab es noch eine üppige Vergütung nach dem EEG. „99 Pfennig haben wir pro Kilowattstunde bekommen“, erzählt Hanne Rist. Sämtlicher produzierter Strom wurde in das Netz eingespeist – denn das war seinerzeit auch lukrativer, als ihn selbst zu verbrauchen. Zum Vergleich: Heute beträgt die Einspeisevergütung für neue Anlagen nicht einmal 8 Cent.

Dafür war die Technik damals noch teurer, aber auch weniger leistungsstark. „Ungefähr 30 000 DM haben wir seinerzeit für unsere vergleichsweise kleine Anlage bezahlt“, erinnert sich Bernd Rist. Dies stieß im Bekannten- und Kollegenkreis nicht immer auf Zuspruch. „Wir wurden für verrückt erklärt. Alle glaubten, das würde sich doch nie lohnen“, erzählt Bernd Rist. Andere hätten ihnen sogar vorgeworfen, dass sie wegen ihrer Solaranlage und der EEG-Förderung nun mehr für den Strom bezahlen müssten.

Diese Debatten müssen die Kirchditmolder schon längst nicht mehr führen. 20 Jahre lang habe ihnen die Anlage gute Dienste erwiesen. 2000 bis 2500 Kilowattstunden habe diese pro Jahr erzeugt. Nach 18 Jahren habe nur der Wechselrichter schlappgemacht und ausgetauscht werden müssen. „Dennoch hat sich die Investition amortisiert“, sagt Bernd Rist. Viel wichtiger für das Ehepaar ist aber „das gute Gefühl“, was sie sich mit der Anlage ins Haus geholt hätten.

Als nun die EEG-Förderung auslief, war ihnen deshalb auch schnell klar, dass sie die Anlage nicht abbauen lassen wollen – wie es manche tun – sondern umrüsten.

Ein entsprechendes Angebot machen derzeit die Städtischen Werke allen Alt-Anlagenbesitzern. Für 800 Euro wurde die Technik bei den Rists im März so umgerüstet, dass sie nun ihren erzeugten Sonnenstrom nicht länger nur ins öffentliche Netz einspeisen, sondern in erster Linie selber verbrauchen. Aufgrund der aktuell niedrigen Einspeisevergütung sei dies auch das einzig Sinnvolle.

Zwar hätten sie sich gegen die Investition in einen Stromspeicher entschieden, aber auch so zeigten sich schon jetzt die positiven Effekte. „Wenn ich Wäsche wasche, brauche ich keinen Strom mehr aus dem Netz kaufen“, sagt Hanne Rist. Sie müsse eben nun darauf achten, dass Geschirrspüler und Waschmaschine bei Tageslicht liefen.

Die Städtischen Werke versprechen jedem, der seine alte Anlage umrüstet, zehn Euro fixe Vergütung pro Kilowatt installierter Anlagenleistung und Jahr. Der technische Umbau erfolgt über die Firma Kas Elektrotechnik, die mit den Städtischen Werken in dem Projekt „Solarpaket 20+“ zusammenarbeitet.

Hanne und Bernd Rist würden sich wünschen, wenn noch mehr Menschen die Solarenergie für sich entdecken würden. Genug freie Dächer gebe es in Kassel noch. Eine Solarpflicht für Neubauten – wie sie in Kassel diskutiert wird – halten sie deshalb für sinnvoll. „Man kann aber manchmal schon Zweifel haben, ob die Politik ihre Klimaziele alle so ernst nimmt“, sagt Hanne Rist. (Bastian Ludwig)

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