Umfassende Bestandsaufnahme geplant

KVG testet Elektro-Bus in Kassel

Kassel. Er ist leise und stößt kaum schädliche Abgase aus: Seit Montag testet die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) für zehn Tage einen Elektro-Bus. Der mit Strom betriebene, neun Meter lange Midi-Bus der polnischen Herstellerfirma Solaris verkehrt auf einem Teil der documenta-Buslinie d13.

„Mit dem Test ergreifen wir die Chance, den aktuellen Stand dieser hochmodernen und wegweisenden Technikumfassend zu prüfen“, sagt KVG-Vorstands-Vorsitzender Andreas Helbig. Bei dem Test stehen der Antrieb, die technische Komponenten und deren Wartungsfreundlichkeit im Mittelpunkt.

„Aber auch seine Fahreigenschaften und die Reaktionen der Fahrgäste interessieren uns“, sagt Helbig. Angesichts der steigenden Preise für Dieselkraftstoff, die sich seit 2003 um 60 Prozent verteuert haben, sei es sinnvoll, die Weiterentwicklung der Elektro-Mobilität auch für Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs voranzutreiben.

Leise und schadstoffarm: Dieser Elektro-Bus wird bis zum 6. September täglich von 12 bis 15 Uhr auf der documenta-Sonderlinie eingesetzt. Die Fahrt ist für Fahrgäste kostenfrei.

Für den regulären Linienbetrieb sind die derzeitigen Elektrobusse laut Kartsen Kamutzki, Bereichsleiter Technik und Fahrzeuge, nur bedingt geeignet: Die Reichweite der Batterien ist für Distanzen von mehreren 100 Kilometern mit häufigen Stops an Haltestellen nicht ausgelegt. Bei Steigungs- und Gefällstrecken ist der Stromspeicher noch schneller leer. Der Testbus etwa muss nach maximal 100 Kilometern aufgeladen werden. Um diese Technik weiterzuentwickeln und sie für den Nahverkehr betrieblich und wirtschaflicher interessant zu machen, sind laut KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert jetzt die Herstellerfirmen gefragt.

Neues Mobilitätskonzept

Im Frühjahr 2013 plant die KVG einen zweijährigen Testbetrieb unter unterschiedlichsten Bedingungen mit einem Elektro-Bus, der derzeit von Solaris entwickelt wird. Den Test, der im Zuge eines Förderprojekts stattfinden soll, bereitet die KVG zurzeit zusammen mit dem Regionalmangement Nordhessen, der Universität Kassel den Städtischen Werken und weiteren Partnern vor. „Die Kosten für Elektrobusse dürfen nicht wesentlich über denen für Dieselbusse liegen“, sagt Ebert. 500 000 bis 800 000 Euro kosten derzeit Elektrobusse für den Linienbetrieb, etwa 200 000 Euro ein Dieselbus.

E-Bus in Kassel getestet

Weiter muss in Werkststätten investiert werden, Fahr- und technisches Personal geschult werden. „In drei bis fünf Jahren müssen wir einen wirtschaftlichen Betrieb hinbekommen, ansonsten ist das Thema durch“, sagte Ebert. Es soll ein Baustein für komplettes Mobilitätskonzept sein , in das etwa Car-Sharing- und Leihfahrrad-System mit einer zentralen Buchungs- und Abrechnungsstelle eingebunden werden könnten. Die Botschaft, etwa an Touristen und Tagungsgäste: „Ihr braucht in Kassel kein Auto.“ (mkx)

Von Mirko Konrad

Rubriklistenbild: © Fischer/nh

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