Eltern finden ihn super

Dieser Mann aus Kassel ist Tagesvater: "Der Job ist meine Berufung"

Kassel. Waldemar Bader arbeitet seit acht Jahren als Tagesvater. Er ist einer von ganz wenigen Männern in diesem Beruf und kann sich nichts anderes mehr vorstellen. 

Es klingelt. Waldemar Bader öffnet die Haustür. „Herzlich willkommen bei uns“, sagt der Mann im dunklen Kapuzenpullover. Fünf neugierige Kinder nähern sich, stehen neben ihm an der Tür. Dahinter fällt der Blick auf ein Kinderspielparadies. Darin: eine Holzburg, ein kleiner Tisch mit zwei Bänken, Spielzeug, und alles in hellen, freundlichen Farben. Auf den ersten Blick wirkt es wie in einem Kindergarten.

Zusammen mit seiner Frau Angela kümmert sich Waldemar Bader montags bis donnerstags von sieben bis 17 Uhr und freitags bis 15.30 Uhr um Kinder zwischen einem und drei Jahren. Seine Frau hatte bereits vor zehn Jahren begonnen, als Tagesmutter zu arbeiten. Zwei Jahre später entschied er sich für die Weiterbildung zum Tagesvater. Mittlerweile sind beide Kollegen.

„Ich habe vorher andere Jobs gemacht, habe zum Beispiel als Fahrer und in einer Gießerei gearbeitet, war aber nie glücklich damit. Das ist jetzt ganz anders“, erklärt der 45-Jährige, der selbst Vater von zwei Kindern im Alter von neun und vier Jahren ist. „Das hat mir, neben den Erfahrungen meiner Frau, sehr geholfen“, ist er sich sicher. „Es kann nicht schaden, wenn man ein bisschen Kind geblieben ist“, sagt er, während er den Kindern beim Spielen zusieht.

Bis heute reagierten einige Menschen zunächst skeptisch, wenn sie von seiner Arbeit hörten. Freunde fragten ihn: „Wie schaffst du das nur? Das muss doch total stressig sein.“ „Das stimmt nicht“, sagt Bader und schaut zufrieden zu den ruhig frühstückenden Kindern am Tisch. „Wenn man ein ruhiger, ausgeglichener Mensch ist wie ich, dann hat man nicht mehr Stress als in anderen Berufen.“

Natürlich seien die Kinder mal laut. „Aber das ist nicht schlimm“, sagt er bestimmt. Tatsächlich wirkt Bader entspannt, wenn er mit seinen Schützlingen im Sitzkreis Lieder singt oder ihnen beim Anziehen für den Spaziergang hilft.

„Die Eltern finden es super, dass sich ein Mann um ihre Kinder kümmert“, erzählt der Tagesvater. Schließlich fördere es die Entwicklung, wenn ihre Sprösslinge eine männliche Bezugsperson hätten. Waldemar Bader und seine Frau haben sich die Aufgaben bei der Tagespflege geteilt: Zusammen kümmern sie sich um zehn Kinder, jeder ist somit für fünf zuständig.

Die Einrichtung der Zimmer hat Waldemar Bader komplett selbst gestaltet, „mit der Laubsäge in Heimarbeit“, wie der begeisterte Handwerker sagt. „Es freut mich, zu sehen wie sich die Kinder entwickeln: ihr Lachen, ihre Freude – das ist wundervoll“, sagt Bader. Schwer werde es, wenn er die Kinder wieder gehen lassen müsse. „Es erfüllt mich aber mit Stolz, wenn ich die Dankbarkeit der Eltern für unsere Arbeit spüre“, erklärt er. Warum sich bislang nur wenige Männer für diese Tätigkeit entscheiden? Dafür haben beide nur Vermutungen: Nach wie vor gebe es in der Gesellschaft Vorurteile gegenüber Männern in Erziehungsberufen. Einige hätten vielleicht Angst, dass es unmännlich wirken könnte, vermutet Angela Bader. „Das ist Unsinn, oder bin ich etwa nicht männlich?“, unterbricht Waldemar seine Frau. Beide schütteln den Kopf.

Eines ist Waldemar noch wichtig: „Man sollte die Arbeit als Berufung sehen und auf keinen Fall nur wegen des Geldes machen, auch wenn das eine Rolle spielt.“ Waldemar Bader und seine Frau sind sich einig, dass sich das Pärchenmodell eher durchsetze als ein allein arbeitender Tagesvater, auch aus finanziellen Gründen.

www.kindertagespflege-kassel.de

Hintergrund

Die Kindertagespflege fördert vorrangig Kinder unter drei Jahren. Nach Vollendung des dritten Lebensjahres können Kinder bis zum Ende des Kalenderjahres gefördert werden, wenn nachweislich kein Kindergartenplatz frei ist. Tageseltern wie Waldemar Bader erhalten laut Satzung der Stadt für einen mit einem Kind belegten Kindertagespflegeplatz bei einer Betreuungsleistung von 32,5 bis 40 Wochenstunden 493 Euro pro Kind und Monat. Eltern zahlen für diese Leistung unabhängig vom Einkommen einen Kostenbeitrag in Höhe von 265 Euro pro Monat. Eltern ohne oder mit geringem Einkommen können eine Kostenübernahme beantragen. 

E-Mail: kindertagespflege@kassel.de 

Telefon: 05561/7875160

Rubriklistenbild: © Schlenz

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