Eröffnung am 17. Juni geplant

Nach über zehn Jahren: Kaufhaus Woolworth kehrt in Kassels Innenstadt zurück

Das Kaufhaus Woolworth an der Oberen Königsstraße 13 in Kassel
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So war es früher: Das alte Woolworth beim Rathaus im Jahr 2009.

Gegenüber dem Kasseler Rathaus wird es bald wieder eine Filiale der Warenhauskette Woolworth geben. Auch der Woolworth-Laden im Kulturbahnhof wird künftig weiterbetrieben.

Kassel – Auf der Oberen Königsstraße reiben sich Passanten verwundert die Augen, doch die ausgehängte Nachricht stimmt: In dem Gebäude Nummer 13 direkt gegenüber dem Rathaus wird wieder ein Woolworth-Kaufhaus einziehen. Viele Jahrzente hatte Woolworth an dieser Stelle zu den prägenden Einkaufsstätten in Kassels Innenstadt gehört, bevor der Standort 2010 aufgegeben wurde.

Nun hat auch der nachfolgende Modefilialist 1982, der zum Textildiscounter Takko gehört, den Betrieb eingestellt. Die frei gewordene Fläche werde in der kommenden Woche wieder von Woolworth übernommen und zu einer modernen Filiale ausgebaut, teilte ein Unternehmenssprecher auf HNA-Anfrage mit. Der angepeilte Eröffnungstermin sei der 17. Juni – unter dem Vorbehalt, dass die Pandemielage das zulässt. Für Woolworth sei „die Rückkehr an einen altbekannten Standort etwas Besonderes“.

So sehen das auch viele Kasseler der mittleren und älteren Generation. In den Sozialen Medien ist die Nachricht bereits durchgesickert und wird rege kommentiert. Viele äußern sich verblüfft und erfreut, teilen nostalgische Erinnerungen an alte Woolworth-Zeiten und fragen scherzhaft, ob jetzt vielleicht auch andere einstige Kasseler Einkaufsmagneten wie Bilka, Neckermann und Kaufhalle wieder zurückkommen.

Bei Woolworth, das sich selbst als „Aktionskaufhaus“ für preissensible Konsumenten bezeichnet, haben schon Generationen von Kunden eingekauft. Seit 1929 ist eine deutsche Filiale der in den USA gegründeten Handelskette in Kassel ansässig, bereits vor dem Krieg gab es Woolworth an der Königsstraße.

Den Standort hatte das Unternehmen vor gut einem Jahrzehnt nicht freiwillig verlassen. Damals war die Handelskette in die Insolvenz gerutscht. Die Vermieter, eine Erbengemeinschaft, sahen sich dadurch nicht mehr an den Mietvertrag gebunden und sprachen die Kündigung aus. Dennoch hielt Woolworth Kassel die Treue: Ende 2012 eröffnete das Unternehmen eine neue Filiale im Kulturbahnhof, die vor allem von Pendlern und Reisenden frequentiert wird. Das Woolworth im früheren Hauptbahnhof soll nach Unternehmensangaben auch nach der Wiedereröffnung in der Innenstadt bestehen bleiben.

Seit der Situation vor zehn Jahren haben sich die Kräfteverhältnisse im Handelsgeschehen verschoben: Während der Textildiscounter Takko und sein Ableger 1982 massiv unter den Lockdown-Bedingungen leiden, hat Woolworth im Pandemiejahr 2020 beste Geschäfte gemacht und verfolgt weiterhin anspruchsvolle Wachstumsziele. Das Netz von bundesweit 450 Filialen soll mittelfristig auf 800 Standorte erweitert werden. Dabei sieht das Unternehmen Chancen als einer der wenigen verbliebenen Kaufhausbetreiber in Innenstädten. „Unser Ziel ist, weitere Lücken im Kaufhausnetz zu schließen“, sagte der Woolworth-Sprecher.

Zum Sortiment der Filialen gehören Artikel des täglichen Bedarfs wie Haushaltswaren, Heimtextilien, Mode-, Drogerie- und Geschenkartikel sowie Schreib- und Kurzwaren. Unternehmensgründer Frank Winfield Woolworth hatte 1879 an der US-Ostküste als Erster die Idee gehabt, Artikel zu einem festen Preis von fünf oder zehn Cent offen auf Ladentischen zu präsentieren. Er kann damit als Urvater des Geschäfts mit Aktionsware und Sonderposten gelten.

Einst das größte Kaufhausunternehmen der Welt, gab es Woolworth in den Vereinigten Staaten bis 1997. Die deutsche Gesellschaft der Warenhauskette ist bereits seit der Weimarer Republik unabhängig. Ein Überbleibsel des in den USA nicht mehr existierenden Konzerns ist übrigens die Sportschuhkette Foot Locker, die an Kassels Königsstraße eine Filiale betreibt. (Axel Schwarz)

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