Die warmen Temperaturen sorgen bei den  aber für Einsparungen

Diesmal haben Kasseler Stadtreiniger Streusalz im Überfluss

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Streusalzberg: Die Stadtreiniger Werner Stockem (links) und Stephan Reinhardt müssen nicht befürchten, dass die Vorräte im Lager in dieser Saison knapp werden.

Kassel. Des einen Freud, des anderen Leid: Der milde Winter hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die verschiedenen Branchen. Wir stellen Menschen vor, die sich mehr oder weniger über die relativ hohen Temperaturen im Januar freuen können.

Die Mitarbeiter der Kasseler Stadtreiniger müssen bislang nicht fürchten, wieder so viele Überstunden wie vor einem Jahr wegen der Schneemassen schieben zu müssen. Im Gegenteil: Laut Ulrich Hackmann, Qualitätsmanagementbeauftragter bei den Stadtreinigern, werden die Kollegen in diesem Jahr für die Straßenreinigung eingeteilt. Kaum Schnee bedeutet weniger Winterdienst: Streu- und Räumfahrzeuge sind in dieser Saison bislang nur am Hohen Gras unterwegs, wenn dort Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. Vor einem Jahr waren die Lager bei einem Verbrauch von 3000 Tonnen Streusalz leergefegt. In diesem Winter haben die Stadtreiniger erst 300 Tonnen Salz auf den Straßen verteilt.

Baumärkte

Dass diesen Winter kaum gestreut wird, merken auch die Baumärkte. Streusalz und Schneeschieber gibt es noch in Hülle und Fülle. „Was wir letztes Jahr zu wenig hatten, haben wir diesmal zu viel“, sagt Ralf Meyer, stellvertretender Leiter des Praktiker-Markts an der Holländischen Straße. 800 Schneeschieber hat er noch auf Lager und fast 1000 Säcke mit 25 Kilo Streusalz. Auch die Schlitten sind in dieser Saison Ladenhüter. „Aber da geht noch was weg“, sagt Meyer. Er ist zuversichtlich, dass der Winter noch kommt. Einzelhandel

Auch der Einzelhandel hofft noch auf einen richtigen Winter. Das Textilgeschäft sei insgesamt zwar so gelaufen wie im Vorjahr, sagt Martin Schüller vom Einzelhandelsverband Nordhessen. Warme Jacken und Winterschuhe seien allerdings nicht gut verkauft worden. Entsprechend hätten die Reduzierungen etwa zwei Wochen früher eingesetzt als sonst. „Einzelne haben sogar schon vor Weihnachten angefangen“, sagt Schüller. Aus Kundensicht ist das gut: Jetzt kann man günstig einkaufen, falls es noch mal kalt wird.

Etwa 20 bis 30 Prozent weniger Winterjacken sind bei Kletter Kogel an der Wilhelmsstraße verkauft worden. „Deshalb herrscht bei uns aber keine Panikstimmung“, sagt Mitarbeiter Hans Deutschl. Dafür sei die Saison 2009/2010 so gut wie zwei Winter auf einmal gewesen. Wenn kein Schnee liege, dann seien die Leute halt nicht so in Stimmung, sich eine neue Winterjacke zu kaufen. „Wer nicht friert, der kauft keine neue Mütze und kein neues Stirnband.“ Auf die Preise habe sich die warme Witterung aber nicht ausgewirkt. „Wir haben ganz normal reduziert.“

Bauwirtschaft

„Vor einem Jahr war Mitte November bei uns Schluss. Da drehte sich wegen des Schnees kein Rad mehr“, sagt Thilko Gerke, Geschäftsführer des Bauunternehmens Rennert. In diesem Jahr ist das anders. „Die Bauwirtschaft profitiert von dem milden Wetter. Obwohl der Betrieb in Wahlershausen eigentlich noch bis heute geschlossen ist, hätten Mitarbeiter auch zwischen den Jahren und ab dem 2. Januar auf Baustellen gearbeitet, zum Beispiel am Hotel Reiss. „Wir haben schon ein bisschen Umsatz gemacht“, sagt Gerke. Weil in vielen Außenberufen diese Saison durchgearbeitet wird, fallen diesen Winter auch die Arbeitlosenzahlen besser aus als üblich.

Bergpark

Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) will sich über den milden Winter nicht beklagen. „Der Bergpark ist viel besser erreichbar als voriges Jahr“, sagt Cornelia Ziegler von der MHK. Voriges Jahr bei Eis und Schnee hätten vor allem ältere Menschen Schwierigkeiten gehabt. Im Dezember zählte das Schloss Wilhelmshöhe 50 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr.

Durch den vielen Regen sei zudem das Reservoir für die Wasserspiele schon wieder gut gefüllt. Und nach der vorangegangenen langen Trockenperiode tue es den Pflanzen im Park gut, dass der Boden „mal richtig durchflutet wird“, sagt Cornelia Ziegler.

Weiterer positiver Effekt der milden Temperaturen: Im Gewächshaus, wo teilweise bis zu 20 Grad herrschten, spart die MHK diesen Winter kräftig bei den Heizkosten. Archivfoto:  nh

Von Ulrike Pflüger-Scherb und Katja Rudolph

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