Kasseler Wissenschaftler entwickeln Leitfaden für die Kommunikation von morgen

Digitale Welt ohne Fallstricke

Kassel. Man ist irgendwo auf der Welt unterwegs und doch kommunikationsmäßig ständig mittendrin. Bilder, Texte, Tipps austauschen, diskutieren oder kurzfristig ein Treffen organisieren, obwohl die Teilnehmer sich an ganz unterschiedlichen Orten befinden, das ist kein Problem. Vorausgesetzt man hat ein Smartphone und nutzt die immer zahlreicher werdenden Zusatzprogramme, die sogenannten Apps.

Doch diese „Helfer“ haben auch eine Kehrseite. Das musste zuletzt die Firma Apple feststellen. Es hagelte Proteste, als herauskam, dass Apple die geografische Position seiner iPhone-Kunden ungefragt und unverschlüsselt speicherte, obwohl das Unternehmen damit nur einen schnelleren Zugang zum Internet bieten wollte.

Nicht alles, was technisch möglich ist, gefällt auch den Benutzern. „Neue Techniken bergen Risiken, besonders wenn die virtuelle Welt und die Realität verschmelzen“, sagt Dr. Michael Krohn, Geschäftsführer des mit 4,2 Millionen Euro dotierten Forschungsschwerpunkts Venus der Exzellenz-Offensive „Loewe“ des Landes Hessen.

Im Rahmen dieses Projekts forschen seit Januar 2010 Wissenschaftler aus sechs verschiedenen Fachgebieten der Universität Kassel interdisziplinär daran, neue Techniken der digitalen Informationsverarbeitung und Kommunikation sicherer, sozialer und benutzerfreundlicher zu gestalten.

Professor Dr. Kurt Geihs, Sprecher des Venus-Projekts, zieht eine positive Zwischenbilanz des bis Ende nächsten Jahres laufenden Programms. Dem Ziel, einen methodischen Leitfaden für die Entwickler künftiger Zusatzprogramme zu erstellen, sei man ein gehöriges Stück näher gekommen.

Ob ein solches Programm vom Benutzer akzeptiert, ob es als gut bedienbar, sicher, praktisch und durchschaubar angesehen wird, das stelle sich bisher häufig immer erst nach der Markteinführung heraus, sagt Professor Geihs. Im Rahmen des Venus-Projekts versuche man, die Fragen nach der sozialen Verträglichkeit und Rechtssicherheit dieses Produkts schon während der Entwicklung zu beantworten und Fallstricke zu vermeiden.

„Der Benutzer steht dabei immer im Mittelpunkt“, fügt der Wissenschaftler hinzu. Mit der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen haben die Kasseler bereits seit dem Jahr 2005 im Forschungszentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) gute Erfahrungen gemacht.

Prototyp „Oma-Raum“

Währen des Venus-Projekts sind auch schon praktische neue Anwendungen als Prototypen entstanden. Dazu gehört der sogenannte Oma-Raum, ein mit vielfältigen Sensoren und Kameras versehenes Zimmer, das es ermöglicht, aus der Ferne nachzuschauen, ob es dem betagten Bewohner gut geht, und ein Bilderrahmen, den der Betrachter nur antippen muss, um mit einer abgebildeten Person Bild- und Tonkontakt zu bekommen.

Schließlich steht auch das Zusatzprogramm „Meet-U“, eine sich automatisch anpassende Smartphone-Software für die soziale Vernetzung mobiler Benutzer, kurz vor seiner Fertigstellung. (pdi) Fotos: Dilling

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