Für die Linke in den Bundestag

Direktkandidat Kai Boeddinghaus: „Wenn nötig, nerve ich“

Lauwarm ist nichts für ihn: Den Latte machiatto bestellte sich Kai Boeddinghaus extra heiß. Wenn die Linke ein Kaffee wäre, dann ein Expresso - stark, aber billig. Foto: Ludwig

Kassel. Er mag es heiß und süß. Soweit die Präferenzen von Kai Boeddinghaus (54) bei der Getränkewahl. Wenn der Stadtverordnete im Rathaus seine Meinung mit scharfer Zunge vertritt, stößt dies den anderen Fraktionen meist sauer auf. Das parteilose Mitglied der Linken-Fraktion geht dem politischen Gegner gerne auf den Wecker.

„Wenn nötig, nerve ich. Aber es darf nie bloß Selbstzweck sein“. Boeddinghaus tritt als Direktkandidat für den Wahlkreis Kassel an. Bei der Frage nach dem Warum, ist er ehrlich: „Es muss ja einer machen.“ Dass er nicht Parteimitglied der Linken ist, hält er für vorteilhaft. „Ich passe nicht in Parteien. Ich will nicht in interne Parteikämpfe verstrickt werden und finde es wichtig, dass ein Außenstehender auf das blickt, was die Partei tut.“ Für den Familienvater, der als Geschäftsführer eines Unternehmerverbandes arbeitet, ist Politik ein Hobby, das er klar von seiner Arbeit trenne.

Die Wurzeln des Pfarrersohns aus dem Rheinland sind sozialdemokratisch geprägt. „Ich habe als Kind Wahlwerbebriefe für Gustav Heinemann eingetütet.“ Umso enttäuschter sei er, wie sich Rot-Grün „zurückentwickelt“ habe – dies gelte nicht nur, aber insbesondere für die Stadtpolitik. „Mein Ärger ist deshalb so groß, weil ich von denen etwas erwarte, von der CDU erwarte ich nichts.“ Nur die Linke könne noch eine starke Opposition sein.

Ein Weltverbesserer sei er nicht. „Aber ich bin eitel genug, um sich gut zu fühlen, wenn ich nach einer Rede vor den Stadtverordneten das Gefühl habe, etwas klug dargestellt zu haben.“ Und wenn die Zuhörer das anders sehen? Wenn es lautstarke Häme und Zwischenrufe gebe, kränke ihn das schon. „Auch wenn man mir das nicht anmerkt.“

Zum Glück gebe es immer wieder auch Erfolgserlebnisse. Dazu zählt er die Abschaffung der Heiz- und Wohnkostenpauschalen für Hartz IV-Empfänger. „Obwohl das nicht allein unser Verdienst war.“

Im Wahlkampf wolle er sich einem Phänomen widmen, das er nicht nur im Gesundheitswesen beobachtet: Der Einteilung der Gesellschaft in Klassen. Auch die Rüstungs- und Friedenspolitik will er aufgreifen.

Bei der Frage nach seinen Chancen am 22. September wird Boeddinghaus ironisch: „Die sind sensationell. Ich werde das Mandat im ersten Anlauf gewinnen.“

Von Bastian Ludwig

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.