Das Berufsbildungswerk Nordhessen fürchtet bei Kürzungen um seine Existenz

Direktoren um Schüler besorgt

Kassel. Arne Borg, Schulleiter der Heinrich-Steul-Schule und Agathofschule, sprach über seine Befürchtungen um die Zukunft seiner Schüler jüngst vor dem Ortsbeirat in Bettenhausen, wo seine Schulen beheimatet sind.

Wenn im Bereich der Benachteiligtenförderung der BA gespart werde, sei das von großem Nachteil für Lernhilfeschüler. Borg: „Ehe der Staat für einen ehemaligen Lernhilfeschüler ein Leben lang Hartz IV zahlt, sollte er besser in dessen Ausbildung mit realistischer Zukunftsaussicht investieren.“

Zahlen

An der Agathofschule (Klassen 3 bis 10) befinden sich zurzeit 81 und an der Heinrich-Steul-Schule (1. bis 10. Klasse) 85 Schüler. Nach Auskunft von Lorenz Borg, BBW, gehen in Nordhessen jährlich 300 Schüler von Lernhilfeschulen ab, 100 kommen zum BBW. Es gibt in Kassel fünf Schuen für Lernhilfe und im Landkreis Kassel drei. (chr)

Sein Kollege Volker Teuteberg, Leiter der Schule für Lernhilfe mit Sonderpädagischem Beratung- und Förderzentrum, Astrid-Lindgren-Schule, teilt mit Borg diese Sorgen. „Ich würde vielleicht nicht so weit gehen, den Schülern von einem Hauptschulabschluss abzuraten“, sagt er. Engagierte Lernhilfeschulen müssten jedoch zurzeit dafür kämpfen, dass Lernhilfeschülern - auch mit Schulabschluss - das Anrecht auf eine Berufsausbildung im Berufsbildungswerk behalten.

„Wir haben den Eindruck, dass dieser Weg der Benachteiligtenförderung von der Bundesagentur für Arbeit gedeckelt werden soll.“ Es sei „deutlich schwieriger“ geworden, in das BBW-Programm zu kommen. Darüber würden die Leiter von Lernhilfeschulen und das BBW zurzeit beraten. Denn mit der Arbeit des BBW sei man sehr zufrieden. Die Quote der BBW-Azubis, die im Anschluss daran in ein Arbeitsverhältnis vermittelt werden, ist beachtlich.

Die Integrationsquote liege bei 70 Prozent, sagt Lorenz Frank vom BBW Kassel. In den Metallberufen fänden sogar mehr als 90 Prozent nach der Ausbildung eine Arbeit. Frank fürchtet nicht nur um die Existenz seiner Einrichtung, auch um die Zukunft vieler Lernhilfeschüler mit Hauptschulabschluss macht er sich Sorgen. „Die bekommen von der Arbeitsagentur nur noch eine normale Berufsberatung, und ihre Chancen für eine exklusiv geförderte Ausbildung sind vertan.“ Davon auszugehen, dass jemand mit Hauptschulabschlussabschluss nicht mehr lenrbehindert ist und eine Ausbildung machen kann, sei ein Trugschluss.

„Das Geld für die berufliche Reha junger Menschen mit Behinderungen wird knapp“, sagt Klaus Winger, Leiter des BBW Nordhessen. Und das trotz steigender Bedarfszahlen. Auch beim Staatlichen Schulamt ist der für Lernhilfeschulen zuständige Leiter, Thomas Burger, über diese Entwicklung beunruhigt. „Die Reha ist für einen Großteil der Lernhilfeschüler die einzige Chance, jemals auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.“ Er sei deshalb mit dem Kultusministerium in einem engen Gespräch, um geeignete Regelungen zu treffen.

Hintergrund

Berufsbildungswerke sind Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation für junge Menschen mit Behinderungen. Alle BBW bieten neben einer besonders auf die Behinderungen angepassten Ausbildung eine bedarfsgerechte Begleitung durch medizinische, psychologische, sozial- und sonderpädagogische sowie therapeutische Fachdienste an. Das BBW Nordhessen mit Sitz in Bad Arolsen und Kassel bildet zurzeit rund 460 Jugendliche mit Lernbehinderungen, körperlichen und psychischen Behinderungen aus. Es gibt ihnen mit über 20 Ausbildungsberufen in den Berufsfeldern Metalltechnik, Holztechnik, Ernährung und Hauswirtschaft, Wirtschaft und Verwaltung sowie Agrarwirtschaft die Möglichkeit, sich fundiert und an modernsten Maschinen ausbilden zu lassen. Die Staatliche Berufsschule im BBW vermittelt in kleinen Klassen die Allgemein- und Fachbildung. Das BBW Nordhessen bildet sowohl technisch als auch pädagogisch auf hohem Niveau aus. Dabei erhalten die Azubis bei Bedarf zusätzliche Unterstützung durch psychologische, medizinische, sozial- und sonderpädagogische Fachdienste sowie Stütz- und Förderunterricht. In Bad Arolsen haben Azubis, die nicht in der Nähe des Ausbildungsortes wohnen, die Möglichkeit, das BBW-eigene Internat zu nutzen. Das BBW Nordhessen ist ein Geschäftsbereich des Rehazentrums Bathildisheim, Mitglied im Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck. Infos im Internet: www.bathildisheim.de

Von Christina Hein

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