Heeresmusikkorps-Chef Reinhard Kiauka hat afghanische Militärmusiker ausgebildet

Dirigent in Kampfmontur

In Tarnanzug und mit Instrumenten: Zum Tag der Deutschen Einheit spielte die Band der afghanischen Nationalarmee, angeführt von Oberstleutnant Kiauka (links) und dem afghanischen Major Qasiem Karimi (rechts), auf dem Festplatz von Kabul auf. Foto: nh

Kassel. Es gibt sicher angenehmere Orte als Afghanistan, um zu dirigieren. In dem kriegsgeschüttelten Land hat Oberstleutnant Reinhard Kiauka, Leiter des in Kassel beheimateten Heeresmusikkorps 2, mit zwei Kollegen zwei Monate lang afghanische Militärmusiker ausgebildet. Als die Entscheidung über den Erhalt des Musikkorps fiel, war er in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Die Nachricht erfuhr er am Telefon.

Kiauka ist mit zwiespältigen Gefühlen aus Afghanistan zurückgekehrt. Die Ausbildung der afghanischen Kollegen habe ihm großen Spaß gemacht. „Das war ein tolles Miteinander. Die Afghanen haben uns zum Abschied sogar ein Ständchen gespielt“, erzählt der Musiker. Zum Tag der Deutschen Einheit spielten seine Azubis aus dem Mittleren Osten mit deutschen Kollegen „Amazing Grace“ und empfingen später Bundespräsident Christian Wulff bei seiner überraschenden Visite in Kabul mit den mit Kiauka geprobten Stücken.

In einer Nacht habe er die Noten der kirgisischen Nationalhymne für seine Schützlinge umgeschrieben, weil ein Staatsbesuch bevorstand, erzählt der Oberstleutnant.

Als Ansporn für die Afghanen hatte Kiauka den Kasseler Himmelsstürmer im Gepäck. Der diente als Symbol dafür, wie schnell man musikalisch vorankommen kann. „Das Ziel selbsttragender Sicherheit haben wir schon erreicht“, sagt der Leiter des Heeresmusikkorps und meint damit, dass die afghanischen Soldatenmusiker auch schon ohne Beistand aus Deutschland eine gute Figur bei Staatsempfängen und Paraden machen.

Unter Dauerbeschuss

Militärisch ist das noch nicht gelungen. „In voller Montur und Waffen zu dirigieren, war schon ungewohnt“, sagt Kiauka. Mitte September musste er unfreiwillig die Gastfreundschaft eines afghanischen Generals in Anspruch nehmen, weil Kabul 20 Stunden unter Dauerbeschuss von Rebellen gelegen habe, berichtet der Oberstleutnant. Eine Rückkehr in das Militär-Camp sei in dieser Phase zu gefährlich gewesen. Trotzdem bringt Kiauka insgesamt positive Eindrücke aus Kabul mit nach Hause. Überall in Kabul werde gebaut, sogar die Müllabfuhr funktioniere. Die Bevölkerung habe den Willen zum Wiederaufbau. Sie werde nur von den Rebellen dabei gestört. Kiauka hofft, dass schon nächstes Jahr afghanische Militärmusiker zu Gast in Deutschland sein werden. (pdi) ARTIKEL UNTEN

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