Sozialdemokraten wollen über Umgang mit Ex-Oberbürgermeistern sprechen

Diskussion um NS-belastete SPD-Ikonen der Nachkriegszeit

Erster Nachkriegsoberbürgermeister: Willi Seidel war von 1945 bis 1954 im Amt.

Kassel. Die Kasseler Sozialdemokraten wollen in einer Podiumsdiskussion über den Umgang mit jenen Ex-Oberbürgermeistern sprechen, die laut Forschern NS-belastet sind.

Die NS-Belastung der früheren Kasseler Oberbürgermeister Willi Seidel, Lauritz Lauritzen und Karl Branner (alle SPD-Mitglieder) ist in einer von der Stadt beauftragten Studie umfassend aufgearbeitet worden. Nun geht es daran, die Erkenntnisse zu bewerten. Dazu will die Kasseler SPD am Donnerstag, 2. Juli, eine öffentliche Podiumsdiskussion im Philipp-Scheidemann-Haus veranstalten.

Auf dem Podium werden der Historiker Prof. Bernd Faulenbach, der Vorsitzende des Kasseler SPD-Unterbezirks und Landtagsabgeordnete Uwe Frankenberger, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und der ehemalige Landtagsabgeordnete Aloys Zumbrägel (CDU) sitzen.

Zudem soll es Zeitzeugenberichte und Blitzlichtvorträge geben. Die Moderation übernimmt der ehemalige Leiter des Kasseler HR-Studios, Klaus Krimmel.

Jeder Besucher soll die Gelegenheit bekommen, sich an der Diskussion zu beteiligen, so der Kasseler SPD-Vorsitzende Uwe Frankenberger. Die Veranstaltung solle dazu dienen, sich ein breites Meinungsbild von der Diskussion in der Stadtgesellschaft zu machen.

Bei der Debatte wird es auch um mögliche Umbenennungen von Gebäuden gehen, die nach den Oberbürgermeistern benannt wurden. Diese sind das Willi-Seidel-Haus, die Karl-Branner-Seitenhalle im Rathaus und die Karl-Branner-Brücke über die Fulda (Unterneustadt). Nach Lauritzen ist kein Bauwerk benannt.

Äußerst beliebt: Karl Branner war von 1963 bis 1975 Oberbürgermeister in Kassel. Fotos: Archiv

Nach der Podiumsdiskussion werden sich die Gremien der Partei sowie die SPD-Fraktion im Rathaus noch einmal beraten und eine Entscheidungsvorlage erarbeiten. Diese soll dann Grundlage für einen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung vom 20. Juli sein. Noch vor der Sommerpause soll über das Thema Umbenennung abschließend beraten werden.

Die von der Stadt beauftragten Historiker waren jüngst zu dem Schluss gekommen, das alle ehemaligen SPD-Oberbürgermeister der Nachkriegszeit mehr oder weniger NS-belastet waren.

Diskussion: Donnerstag, 2. Juli, 20 Uhr, im Philipp-Scheidemann-Haus, Holländische Straße 74. 

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