Stichprobe am Zebrastreifen: Autofahrer halten nicht an, Radler steigen nicht ab

Kassel. Christine Poten will eine Rollstuhlfahrerin über den Fußgängerüberweg am Eiscafé Frare an der Wilhelmshöher Allee schieben. Die Autofahrer stoppen sofort. Poten kommt gefahrlos hinüber. Doch das ist nicht immer so.

Das Verhalten mancher Fahrzeugführer sei „katastrophal. Manche Pkw fahren einem fast über die Füße, weil die Fahrer noch vorher vorbeikommen wollen.“

Die Beobachtung der Kasselerin hat der Auto-Club Europa (ACE) gestern bei einer Stichprobe bestätigt gefunden: Frieder Schütz, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Kassel-Schwalm/Eder, und Uwe Völker, Regionalbeauftragter für Hessen, haben 102 Autofahrer an diesem Zebrastreifen beobachtet. Fast jeder Achte (11,7 Prozent) rauschte durch, ohne Fußgänger, die die Fahrbahn überqueren wollten, zu beachten. Im vergangenen Jahr seien es bei einer ähnlichen Stichprobe nur 6,4 Prozent Verkehrssünder gewesen, sagte Völker. Diese hielten anscheinend auch das Bußgeld von 80 Euro und der Punkt in Flensburg nicht von ihrem Fehlverhalten ab, erklärte Schütz. Er beobachtete sogar einen Autofahrer, der seelenruhig halb auf dem Zebrastreifen parkte, um auf einen Mitfahrer zu warten.

Aktualisiert am 3. September um 11.25 Uhr.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, es sei verboten, als Radfahrer über den Zebrastreifen zu fahren. Das war nicht korrekt. Es ist nicht verboten, der Radfahrer verliert jedoch den Vorrang.

Doch nicht nur die Disziplin der Autofahrer ist mangelhaft. Die beiden ACE-Vertreter stellten fest, dass zwei Drittel der Radfahrer am Zebrastreifen nicht absteigen, sondern ihn zügig im Sattel überqueren. Das ist nicht verboten, der Radfahrer hat jedoch keinen Vorrang. Kommt es zu einem Unfall, müsse laut Rechtsprechung der Radfahrer mindestens 50 Prozent des Schadens selbst tragen, sagt Völker. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich das Verhalten der Radler am Zebrastreifen nur unwesentlich geändert.

Dennoch gab es einen Lichtblick: Das Verhalten der Fußgänger habe sich gegenüber dem Vorjahr verbessert, sagte Völker. Nur 3,2 Prozent von ihnen seien - manchmal noch das Smartphone am Ohr - schnurstracks auf die Fahrbahn getreten, ohne sich um herannahende Autos zu kümmern. 2013 sei dieser Anteil noch mehr als doppelt so hoch gewesen.

Die Aktion des ACE hat einen ernsten Hintergrund: Allein 2011 gab es bundesweit 5362 Unfälle an Zebrastreifen, die 31-mal tödlich für Fußgänger endeten. (pdi)

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