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Nach Auszug von Modekaufhaus Sinn: documenta-Institut weiter offen

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Von: Matthias Lohr

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Das Modehaus Sinn zieht aus dem Gebäude am Friedrichsplatz Kassel aus.
Traditionsreicher Standort: Das Modehaus Sinn zieht aus dem Gebäude am Friedrichsplatz aus. © Andrea Scheffer/Sinn

Für das documenta-Institut fehlt nach wie vor ein Standort. Auch für das Gebäude des Modekaufhauses Sinn muss eine Lösung gefunden werden. Zieht in das Ruruhaus in die Stadtbibliothek?

Kassel – Auch nach mehreren Jahren Planung ist in Kassel noch kein Standort für das documenta-Institut in Sicht. Daran ändert auch der Umzug des Modehauses Sinn nichts, das bis Ende 2023 in die Königs-Galerie wechselt. Der Standort am Friedrichsplatz, in dem einst das Kaufhaus Bilka war, stünde dann leer. Bislang gibt es offensichtlich keine Planungen, das documenta-Institut dort unterzubringen.

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hat die Standortsuche zur Chefsache erklärt, nachdem der ursprünglich angedachte Bau auf dem Karlsplatz auf Kritik stieß und die Stadtverordneten einen entsprechenden Beschluss 2020 zurücknahmen.

Auf Anfrage lässt er über einen Sprecher mitteilen, „dass sich die Stadt nicht zu irgendwelchen Spekulationen äußert“. Die Planungen für das Ruruhaus, in dem sich derzeit noch das Impfzentrum befindet, „werden zu gegebener Zeit kommuniziert“. Zur Zukunft des documenta-Instituts befinde man sich im Austausch. Zunächst sollte „die inhaltliche Ausgestaltung erörtert werden“.

Für Kritiker klingt das, als ob das Projekt auf die lange Bank geschoben werden solle. Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) betont, dass die Planung für das documenta-Institut schon sehr weit vorangekommen war – mit einer Finanzierung durch Stadt, Land und Bund: „Eine solche Einigkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Wir tun gut daran, nicht allzu lange mit der Umsetzung zu warten.“ Das Ruruhaus, das neben dem Papinplatz am Naturkundemuseum als Favorit aus einem Bürgerbeteiligungsprozess hervorging, sei „nach unseren Berechnungen sehr knapp bemessen – erst recht, wenn dort ein Zentrum mit erheblich mehr Raumbedarf untergebracht werden soll“.

Laut Nolda ist es für die Innenstadt positiv, dass Sinn einen neuen Standort gefunden hat. Architektonisch sei das alte Gebäude etwas Besonderes. Aber: „Die Aufteilung im Inneren als große Einzelhandelsfläche hat sich ein Stück weit überlebt und wird langfristig nicht mehr vermarktbar sein.“ Derzeit gibt es hier fast 13 000 Quadratmeter Nutzfläche.

Mit dem Investor habe es Gespräche über eine Aufteilung in kleinere Flächen gegeben. Auch eine Rekonstruktion der historischen Fassaden sei Thema gewesen. Dazu hätte das Gebäude abgebrochen werden müssen. Der Vorschlag sei nicht weiter geprüft worden. Der Eigentümer, die Düsseldorfer Cordula Grundstücksverwaltungsgesellschaft, war für Anfragen nicht zu erreichen. Für das Ruruhaus kann sich Nolda vorstellen, hier die Stadtbibliothek unterzubringen.

Zu den Planungen für das documenta-Institut gab es 2022 eine Bügerbeteiligung. Zum Auftakt wurden fünf mögliche Standorte vorgestellt: Ruruhaus, Papinplatz am Naturkundemuseum, Dock 4, documenta-Halle, Parkplatz am Regierungspräsidium. Favorisiert wurden Ruruhaus und Papinplatz. Offen ist, ob aus dem Institut auch ein größeres Zentrum wird, in dem nicht nur geforscht wird, sondern das auch Besucher anlockt. (Matthias Lohr)

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