Doch kein Trinkraum ab Mai in Kassel - Eigentümer gab Stadt einen Korb

Platz für Trinkaum am Altmarkt: Der Treffpunkt für alkoholabhängige Menschen wird am 1. Mai in einem leerstehenden Ladenraum im Hochhaus an der Weserstraße 1b (rechts) eingerichtet.

Kassel. Der erste Anlauf, einen Trinkraum für alkoholabhängige Menschen in der Stadt einzurichten, scheint gescheitert zu sein. Dabei hatte es heute zunächst geheißen, dass der Raum ab Mai zur Verfügen stehe. Dann aber stellte sich heraus: Der Vermieter wusste davon nichts.

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Am Dienstag um 15 Uhr hatte Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) bei einer Pressekonferenz im Rathaus noch gesagt, dass die Stadt solch einen Raum ab Mai dieses Jahres im Erdgeschoss des Hochhauses an der Altmarktkreuzung eröffnen werde. Die Adresse des Aufenthaltsraums für die Kasseler Trinkerszene: Weserstraße 1 b. Nicht einmal zwei Stunden später scheint sich dieses Vorhaben in Luft aufgelöst zu haben.

Jeannette Fritzsche, Mitarbeiterin der Vermögensverwaltung Greta 4 GmbH in Liebenwalde bei Berlin, Eigentümer der Kasseler Immobilie, erklärt, dass es nicht zu einem Mietvertrag mit der Stadt Kassel kommen wird.

„Wir wussten nicht, dass hier ein Trinkraum eingerichtet werden soll“, sagte Fritzsche gegenüber der HNA um 16.35 Uhr am Telefon. Der Verhandlungspartner von der Stadt Kassel habe gegenüber der Vermögensverwaltung stets behauptet, dass in den leer stehenden Ladenraum städtische Büroräume einziehen sollen. Von der Nachricht, dass hier ein Aufenthaltsraum für die Trinkerszene eingerichtet werden soll, sei man am Dienstag „überrascht“ worden, sagt Fritzsche. Erste Mieter aus Kassel hätten bereits im Büro in Liebenwalde angerufen, um für diesen Fall zu kündigen.

Dass der Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Eigentümer der Immobilie noch nicht unterschrieben war, hatte Kaiser bei der Pressekonferenz nur angedeutet. Man müsse sich nur noch über den Mietpreis einigen, sagte der Bürgermeister. Es gab allerdings keine Anzeichen dafür, dass der Eigentümer grundsätzlich mit solch einer Einrichtung nicht einverstanden ist. Im Gegenteil: Kaiser hatte darauf hingewiesen, dass ein Trinkraum nur zu realisieren sei, wenn die Bereitschaft des Vermieters bestehe.

Sollte diese Bereitschaft im Fall Weserstraße 1 b nun doch nicht mehr vorhanden sein, so gebe es Alternativen in der Stadt, sagte Sprecher Hans-Jürgen Schweinsberg am späten Dienstagnachmittag auf Nachfrage der HNA. An dem Konzept des Trinkraumes halte die Stadt fest.

Der Trinkraum soll von der freien christlichen Drogeninitiative des Ehepaars Bärbel und Jarno Ackermann (Fuldatal) im Auftrag der Stadt Kassel betrieben werden, hatte Kaiser erklärt. Die Ackermanns kennen die Trinker- und Drogenszene vom Lutherplatz, die sie seit eineinhalb Jahren mit einer Suppenküche versorgen.

Ein Trinkraum als Rückzugsmöglichkeit war verstärkt gefordert worden, nachdem es insbesondere am Lutherplatz zu Problemen mit der Szene gekommen war. Inzwischen hat sich ein Teil der Trinkerszene in die Nachbarschaft der Martin-Luther-King- und der Paul-Julius-von-Reuter-Schule verlagert.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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