An der Torwache könnte Baugrund frei werden – Gerichts-Pläne zu teuer

Doch nicht auf dem Weinberg? - Standortfrage für Grimm-Welt weiter offen

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Grimm-Schauplatz: Die Torwache beim heutigen Verwaltungsgerichtshof soll auf jeden Fall zur Grimm-Stätte werden.

Kassel. Die Standortdebatte um das künftige Grimm-Museum auf dem Weinberg bekommt neue Nahrung: Das Land Hessen will in Kürze eine Entscheidung verkünden, ob es sein neues Justizzentrum wie geplant am Brüder-Grimm-Platz errichtet oder aus Kostengründen auf einen anderen Standort ausweicht.

Möglicherweise könnten das freie Flächen beim Bundessozialgericht sein. Käme dies so, dann würde direkt neben der Torwache, in der die Grimms eine Zeit lang lebten, ein zentral gelegenes Museums-Baugelände frei.

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Im Stadtparlament wurde am Montag über Für und Wider des gewählten Standorts auf dem Weinberg debattiert. Anlass dafür war die – letztlich abgelehnte – Petition einer Anwohnerin und Bebauungsgegnerin gewesen. Dominique Kalb (CDU) sagte, die Parkplatz- und Verkehrsfrage am Henschelgarten sei ungelöst. Es seien „Wunschträume“, wenn SPD und Grüne meinten, sie könnten Museumsbesucher mit Verkehrslenkungsmaßnahmen davon abhalten, direkt bis auf den Weinberg zu fahren.

Fotos: Drei Entwürfe für das Grimm-Museum

Drei Entwürfe für das Grimm-Museum

Axel Selbert (Kasseler Linke) sagte, der mögliche Erfolg der so genannten Grimm-Welt werde „von einer falschen Lage konterkariert“. Selbert sprach von einer „B-Lage“, die nur gewählt worden sei, „weil die A-Lage am Brüder-Grimm-Platz nicht zur Verfügung stand“.

Die geplante Grimm-Welt soll nach derzeitiger Planung auf dem Weinberg entstehen.

Das könnte sich kurzfristig ändern. Wie die SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker und Uwe Frankenberger in Wiesbaden auf Nachfrage erfuhren, hat das Land bei seinem Justizbauprojekt mit einer Kostenexplosion zu kämpfen. Das Gebäude des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) weise unter anderem gravierende Statikmängel auf. Statt ursprünglich kalkulierter 20,8 Millionen müsse das Land etwa 31,5 Mio. Euro in die Hand nehmen, dabei sei ein Neubau des VGH-Gebäudes noch die wirtschaftlichere Variante gegenüber einer Sanierung unter Denkmalschutzauflagen.

Fotos: Brüder-Grimm-Museum nach der Sanierung

Brüder-Grimm-Museum nach der Sanierung

Angesichts der angespannten Haushaltslage beim Land könnten diese Mehrkosten „nicht in Kauf genommen werden“, teilte das Finanzministerium auf die SPD-Anfrage hin mit: „An einer Alternativlösung wird zurzeit gearbeitet.“

Mehr zum Brüder-Grimm-Museum lesen Sie im Regiowiki.

Die könnte so aussehen, dass VGH, Sozial- und Verwaltungsgericht in ein neues gemeinsames Domizil nahe dem Bahnhof Wilhelmshöhe umziehen – und zwar angrenzend an den Komplex des Bundessozialgerichts, wo es Raum für ergänzende Neubauten gäbe.

Außer der Linkspartei sehen die Fraktionen im Stadtparlament derzeit keinen Anlass, die Museumsplanungen für den Henschelgarten in Zweifel zu ziehen. Ihre Redner verteidigten bei der Sitzung am Montag die Standortwahl.

Wolfgang Rudolph (SPD) betonte den Vorteil einer verdichteten Museumsmeile zwischen Weinberg und schöner Aussicht. Joachim Schleißing (Grüne) sagte, der Museumsbetrieb bringe auch mehr soziale Kontrolle und somit mehr Sicherheit für Anwohner und Spaziergänger mit sich. Und von Frank Oberbrunner (FDP) kam der hymnische Befund, der Henschelgarten sei nicht bloß der Balkon, sondern gar „die Akropolis Kassels“. Dieser „einmalige Platz“ müsse für ein größeres Publikum erschlossen werden.

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