Defizit von 5,4 Millionen Euro 

Der documenta-Aufsichtsrat hat getagt und bezieht Stellung 

Kassel. Der Aufsichtsrat der gemeinnützigen documenta GmbH hat am heutigen Mittwoch getagt – und nach einer Mammutsitzung soeben eine Presseerklärung abgegeben. 

Während einer Mammutsitzung hat der Aufsichtsrat der gemeinnützigen documenta GmbH gestern den Termin für die nächste Weltkunstausstellung beschlossen. Sie wird vom 18. Juni bis 25. September 2022 stattfinden. Zudem verständigte sich das Gremium darauf, eine international besetzte Kommission einzusetzen, um einen künstlerischen Leiter für die documenta zu finden. Das erklärte der Aufsichtsrat in einer Pressemitteilung.

Weitere handfeste und neue Ergebnisse sind darin nicht enthalten. Das betrifft vor allem die Aufarbeitung der documenta 14 und des dort entstandenen Millionendefizits. Hierzu heißt es in der Mitteilung, dass sich der Aufsichtsrat mit dem nun erweiterten Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC befasst habe.

Resultat sei, dass die documenta in Kassel mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen habe. Dass für das Geschäftsjahr 2017 trotzdem ein Defizit von voraussichtlich 5,4 Millionen Euro zu erwarten ist, läge an Budgetüberschreitungen der documenta in Athen. Als Beispiele wurden Personal-, Transport-, Raum- und Sicherheitspersonalkosten genannt. Wörtlich heißt es in der Presseerklärung: „Über die daraus zu ziehenden Konsequenzen ist weiter zu beraten.“ Das bedeutet, dass in diesem Punkt weiterer Verhandlungsbedarf besteht.

Möglich ist auch, dass über – personelle – Veränderungen nicht der Aufsichtsrat entscheidet, sondern nur die Gesellschafter der documenta, die Stadt Kassel und das Land Hessen, befinden – und damit Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender und Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) als dessen Stellvertreter.

Die Sitzung in den Räumen der Kasseler Sparkasse hatte den ganzen Tag und damit wesentlich länger gedauert, als es ursprünglich geplant war.

Die Pressemitteilung der Stadt im Wortlaut

Der Termin für die documenta 15 steht fest. In seiner Sitzung am 15. November 2017 hat der Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH beschlossen, dass die Ausstellung in Kassel vom 18. Juni bis 25. September 2022 stattfinden wird. 

Weiterhin beschloss das Gremium, eine international besetzte Kommission zur Findung einer künstlerischen Leiterin/eines künstlerischen Leiters für die documenta 15 einzusetzen. 

Außerdem befasste sich der Aufsichtsrat erneut mit dem nun erweiterten Bericht zur Sonderprüfung der documenta 14 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH (PwC) und ließ sich zu den noch offenen Punkten informieren. Ergebnis dieses Berichtes ist, dass die documenta in Kassel (ohne Athen) mit einem positiven Ergebnis abschließt. Das für das Geschäftsjahr 2017 erwartete Ergebnisdefizit der documenta 14 beläuft sich auf voraussichtlich 5,4 Millionen Euro. Wesentliche Gründe hierfür sind Budgetüberschreitungen in Athen beispielsweise bei Personal-, Transport-, Raum- und Sicherheitspersonalkosten. Über die daraus zu ziehenden Konsequenzen ist weiter zu beraten. 

„Parallel müssen jetzt die erforderlichen Schritte eingeleitet werden, um die documenta langfristig auf eine neue, solide Basis zu stellen“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Geselle, Oberbürgermeister der Stadt Kassel. Im Auftrag des Aufsichtsrates werden die Stadt Kassel und das Land Hessen als Gesellschafter der documenta gGmbH eine Evaluation durch ein externes Beratungsunternehmen beauftragen. Darin soll es um eine Ist-Analyse der vorhandenen personellen, organisatorischen und finanziellen Strukturen der Gesellschaft gehen, insbesondere zu Controlling und Risikomanagement, einschließlich Vorschlägen und Maßnahmen zur Verbesserung. 

„Wir haben heute damit begonnen, die ersten Weichen für eine erfolgreiche documenta 15 zu stellen. Mit den heutigen Entscheidungen sorgen wir dafür, dass die documenta wie geplant 2022 stattfinden kann, weiterhin zur ersten Adresse und Anlaufstelle für Kunstfreue aus aller Welt zählt und auch in Zukunft auf einem soliden Fundament steht. Die documenta ist ein großer Glücksfall und Schatz für das Kulturland Hessen, den wir bewahren müssen“, erklärte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst. 

Auch mit der Nachfolge von Susanne Pfeffer hat sich der Aufsichtsrat beschäftigt. Die Geschäftsführung wurde beauftragt, umgehend alle notwendigen Schritte einzuleiten, damit eine neue Direktorin/ein neuer Direktor für das Museum Fridericianum gefunden wird. Pfeffer wechselt als Direktorin zum Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt.

Rubriklistenbild: © Archivfoto Malmus

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