Nicht das erste beschädigte documenta-Kunstwerk

Kasseler Obelisk ist wieder sauber: Betrunkener Mann gesteht Schmierereien

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Nur noch ein heller Fleck: Die Nachricht vom beschmierten documenta-Obelisken machte gestern die Runde. Auch Fernsehteams waren vor Ort. Die Farbe war aber schon wieder entfernt.

Kassel. In der Nacht zu Mittwoch wurde der documenta-Obelisk auf dem Königsplatz beschmiert. Ein 55-Jähriger gestand die Farbschmierereien. Nicht zum ersten Mal wurde ein documenta-Kunstwerk beschädigt. 

Von dem in der Nacht angerichteten Schaden war gestern bei Tageslicht kaum noch etwas zu sehen. Nur ein etwas hellerer Fleck auf dem documenta-Obelisken erinnerte noch daran, dass da jemand eine Botschaft hinterlassen wollte. Die Farbe war bereits weggewischt.

Verantwortlich für die Schmierereien ist nach Angaben der Polizei ein 55-jähriger Mann aus Kassel. Den stellten zwei Funktstreifen, die durch einen Zeugen alarmiert wurden. Dieser hatte um 23.30 Uhr am späten Dienstagabend die Polizei über den Notruf 110 informiert. Direkt am Obelisken auf dem Königsplatz sei der Mann festgenommen wurden. Bei einem Atemalkoholtest stellt die Polizisten einen Wert von 1,3 Promille fest. Der Mann habe zwei Pinsel und Farbe dabei gehabt. Den Vorwurf, den Obelisken mit damit beschriftet zu haben, räumte der Mann lauf Polizei ein.

Er sei nicht einverstanden mit der Kaufsumme (angepeilte 600.000 Euro) und habe deshalb eine entsprechende Botschaft hinterlassen. Die Beamten nahmen den Mann mit auf die Dienststelle und entließen ihn nach dem Alkoholtest wieder auf freien Fuß. Gegen ihn wird jetzt wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung ermittelt. Dieser Begriff wird verwendet, wenn Dinge im öffentlichen Raum beschädigt werden. Das kann nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner ebenso eine Parkbank wie ein Kunstwerk sein. Dieses Vergehen kann je nach Schwere mit einer Geldstraße oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.

Erinnerung an Beuys-Steine

Der Obelisk ist nicht das erste documenta-Kunstwerk, das mit Farbe beschmiert wurde. Im Juni 1982 gab es eine Aktion gegen die Basaltsteine von Joseph Beuys, die damals auf dem Friedrichsplatz gelagert wurden. Eine Gruppe junger Männer besprühte die Basaltstelen mit rosa Farbe. Der Protest richtete sich damals gegen das Kunstwerk „7000 Eichen“. Die Begründung: Gerade noch vernünftig sei es nach Ansicht der Kritiker gewesen, Kassel mit 500 oder 1000 Bäumen zu begrünen. Aber 7000? Wo wolle man die denn noch hinpflanzen?

Auch sein Kunstwerk wurde beschmiert: Joseph Beuys zwischen den Basaltstelen auf dem Friedrichsplatz. 

Es ging dann doch. Heute gilt die Stadtverwaltung von Joseph Beuys als eines der wichtigsten documenta-Kunstwerke. Damals wie heute wurde die Farbe schnell entfernt. Eine Firma erledigte das mit einem Wasserstrahler.

Apfelbaum zerstört

Im Sommer 2015 wurde in der Aue ein Apfelbaum zerstört, der Teil eines Kunstwerks vom Jimmie Durham von 2011 war. Der Baum erinnerte an einen KZ-Häftling, der diese Sorte gezüchtet hatte. Für den zerstörten Baum wurde ein Ersatz gepflanzt. Von mutwillig zertrümmerten Lautsprecherboxen bei der documenta 10 bis zu Gewitterstürmen gab es immer wieder Beschädigungen von documenta-Kunstwerken.

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