Analyse einer Mammutsitzung

Sitzung des documenta-Aufsichtsrats: Beratung geht in die nächste Runde

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Die Spitze des documenta-Aufsichtsrates: Boris Rhein (links) und Christian Geselle. 

Kassel. Dass diese Aufsichtsratssitzung der gemeinnützigen documenta GmbH durchaus Zündstoff enthalten würde, ließ sich schon im Vorfeld erkennen. 

Da ging es darum, in welcher Form die Medien anschließend informiert werden sollten. Soll es eine Pressekonferenz geben? Eine gemeinsame Erklärung der Gesellschafter von Stadt Kassel und Land Hessen? Zwei separate Mitteilungen? Und dann waren da noch die überregionalen Medien, die alles so früh wie möglich haben wollten, um es noch in der gedruckten Ausgabe des nächsten Tages haben zu können.

Alles war lange unklar – und deutete darauf hin, dass nichts einfach sein würde an diesem Tag. Am Ende wurde es spät, sehr spät nach einer Mammutsitzung. Vorsorglich hatte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle alle Termine am späten Nachmittag und frühen Abend absagen lassen – auch das ein Zeichen, dass großer Beratungsbedarf bestand.

Schließlich gab es um halb sieben eine Presseerklärung, die zu den Eindrücken zuvor passt: Sie enthält wenig Konkretes. Der Termin für die nächste documenta ist nun beschlossene Sache? Das war schon vorher kommuniziert worden. Eine Findungskommission soll nun den künstlerischen Leiter für die nächste Weltkunstausstellung suchen? Das war zu erwarten.

Aber sonst? Ist das Ergebnis, dass weiter beraten wird. Das betrifft in erster Linie die Konsequenzen für das, was die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in ihrem erweiterten Bericht zur Sonderprüfung der documenta 14 veröffentlicht hat. Darin wird bestätigt, was auch vorher schon in der Öffentlichkeit war: ein für das Geschäftsjahr 2017 erwartetes Ergebnisdefizit der documenta von 5,4 Millionen Euro, das durch Budgetüberschreitungen der Ausstellung in Athen zustande gekommen ist. Wie damit nun umzugehen ist, bleibt offen. Über die Zukunft von Geschäftsführerin Annette Kulenkampff verliert die Pressemitteilung kein Wort.

Annette Kulenkampff

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle richtet als Aufsichtsratsvorsitzender nur generell den Blick nach vorn: „Parallel müssen jetzt die erforderlichen Schritte eingeleitet werden, um die documenta langfristig auf eine neue, solide Basis zu stellen.“

In der Mitteilung heißt es weiter, dass im Auftrag des Aufsichtsrates die Stadt Kassel und das Land Hessen als Gesellschafter der documenta gGmbH eine Evaluation durch ein externes Beratungsunternehmen beauftragen. Darin solle es um eine Ist-Analyse der vorhandenen personellen, organisatorischen und finanziellen Strukturen der Gesellschaft gehen. Das beträfe insbesondere das Controlling und Risikomanagement – einschließlich Vorschlägen und Maßnahmen zur Verbesserung.

Keine Stellungnahmen

Hessens Kunstminister Boris Rhein betonte in der Mitteilung vornehmlich, dass die Weichen für die documenta 15 gestellt seien. Das war es. Geselle und Rhein äußerten sich fernab der Presseerklärung gestern nicht zu der Sitzung des Aufsichtsrates. Auch Annette Kulenkampff gab auf Anfrage der HNA keine Stellungnahme ab.

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