Wie geht es in der Planung weiter?

documenta bangt um Institut: Nach vorläufigem Aus für Karlsplatz - Fördermittel in Gefahr?

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Hier sollte nach den Plänen das neue documenta-Institut entstehen: auf dem Karlsplatz.

Wie geht es in Sachen documenta-Institut weiter? Diese Frage ist nach der Stadtverordnetenversammlung von Montag offener denn je.

Kassel – Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte während der Sitzung nicht über eine Magistratsvorlage abstimmen lassen, die vorsah, den mit 24 Millionen Euro veranschlagten Bau auf dem Karlsplatz errichten zu lassen.

Nach der Ankündigung des fraktionslosen Andreas Ernst, nicht für den Standort zu stimmen, fehlte der Koalition aus SPD, Grünen und Ernst die Mehrheit. Geselle handelte, weil man – wie er im Nachgang mitteilte – den Ruf der Stadt und der documenta nicht aufs Spiel setzen dürfe und eine nochmalige Beratung über den endgültigen Standort erforderlich sei.

documenta-Institut: Geplanter Standort Karlsplatz fraglich

Ob der Standort Karlsplatz eine Zukunft hat, ist nach dem am Dienstag verkündeten Rückzug Ernsts aus der Koalition äußerst fraglich. Bisher zeichnet sich keine Mehrheit dafür ab.

Zeit drängt: Fördermittel könnten wegfallen

Christof Nolda, Stadtbaurat Kassel.

Dabei drängt die Zeit. Darauf macht Stadtbaurat Christof Nolda aufmerksam. Er verweist darauf, dass „dieses Projekt in einem überschaubaren Zeitrahmen umsetzbar“ sein muss: „Dies ist nicht zuletzt eine Vorgabe der Fördermittelgeber.“ Der Bund will zwölf Millionen Euro zusteuern, das Land sechs Millionen – ebenso wie die Stadt. 

Bund und Land haben nach Angaben der Stadt die Mittel bereits im Haushalt eingestellt. Die Bewilligung sollte dann im Laufe des Jahres 2020 erfolgen. Jetzt aber ist das Ziel gefährdet: eine rasche Umsetzung des Projekts. Von der Stadt heißt es: „Aufgrund der aktuellen Situation wird mit dem Fördermittelgeber Anfang des Jahres neu zu verhandeln sein, wie lange die Mittelreservierung aufrechterhalten werden kann.“

documenta-Generaldirektorin in Sorge um das gesamte Projekt 

Indes gibt es erste Stimmen, die sich nach der Entwicklung am Montag um die Außenwirkung der Stadt sorgen. documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann fürchtet, dass nach den Vorgängen das Vorhaben an Schwung verlieren könnte und die gesamte Planung in Mitleidenschaft gerät. Auch Jörg Sperling, der Vorsitzende des documenta-Forums, macht Druck. Er sagt: „Das Institut muss jetzt gebaut werden, nicht erst in fünf Jahren.“

Ex-documenta-Chef warnt vor Panikreaktion

Vor Panikreaktionen nach dem gescheiterten Votum für den Karlsplatz als Standort des documenta-Instituts warnt Bernd Leifeld (70), von 1996 bis 2014 documenta-Geschäftsführer. Er sieht die Abstimmung im Stadtparlament nicht als Katastrophe. 

Stattdessen gebe es nun Zeit nachzudenken, wie es weitergeht. Entscheidend ist für Leifeld die inhaltliche Festlegung des künftigen documenta-Instituts in Richtung eines Leibniz-Instituts.

Bereits im Vorfeld sind die Pläne, das documenta-Institut auf dem kasseler Karlsplatz zu errichten auf keine große Gegenliebe gestoßen - rund 4000 Unterschriften wurden gegen den Standort gesammelt.

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