Noch keine neue Nutzung für Hugenottenhaus und Ballsaal von Hotel Hessenland

Der documenta-Effekt ist verpufft

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Archivbild aus besseren Zeiten: Bis vor 20 Jahren gehörte das Hugenottenhaus (rechts) noch zum Hotel Hessenland an der Ecke Friedrichstraße/Wilhelmshöher Allee.

Kassel. Die von der documenta im vergangenen Jahr genutzten Räume an der Friedrichsstraße standen für 100 Tage im Fokus des Interesses. Insbesondere für das stark sanierungsbedürftige Hugenottenhaus im Anschluss an das Hotel Hessenland bestand Hoffnung für eine weitere Nutzung.

Diese Hoffnung hat sich zerschlagen, das Baudenkmal in attraktiver Lage ist wieder in einen Dornröschenschlaf verfallen. „Das ist ausgesprochen schade, denn es gab mehrere Interessenten mit vielversprechenden Nutzungskonzepten“, sagt Heinz Kefenbaum vom Kasseler Denkmalamt.

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Zu den ersten Interessenten gehörte der amerikanische Künstler Theaster Gates. Seine Idee war es, das Haus nach der documenta 13 durch lokale Kulturinitiativen zu nutzen. „Daraus ist nichts geworden, so weit ich weiß, ist das Projekt an der Finanzierung gescheitert“, sagt documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld.

Auch aus dem Vorstoß des Kasseler Architekturbüros Sprengwerk für eine Nutzung als Bürohaus ist nichts geworden. Die Architekten hatten das Gebäude für die documenta unter die Lupe genommen. In erster Linie ging es um die Sicherheit der Besucher. Die Einschätzung der Fachleute: Eine Sanierung des Gebäudes würde etwa genauso viel kosten wie ein Neubau.

Steuerlicher Anreiz

Mit einem wesentlichen Unterschied. „Bis zu 90 Prozent der Investitionskosten bei einem Baudenkmal können steuerlich abgeschrieben werden“, sagt Denkmalpfleger Heinz Kefenbaum. Noch scheint es sich für Investoren nicht zu lohnen, das Hugenottenhaus zu sanieren. Dabei handelt es sich trotz des schlechten Zustandes um eine architektonische Perle.

Mehr über das Hugenottenhaus lesen Sie im Regiowiki.

Während in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 fast die gesamte Oberneustadt zerstört wurde, blieb das Hugenottenhaus (Baujahr 1826) erhalten. Es ist eines der wenigen Zeugnisse für den Baustil der französischen Glaubensflüchtlinge. Bis in die 1990er Jahre wurde das Hugenottenhaus als Erweiterung des Hotels genutzt. Dafür gebe es derzeit keinen Bedarf sagt Hessenland-Direktorin Patricia Strauch. An finanzkräftigen Partnern seien die Eigentümer der Grand-City-Gruppe mit ihrem amerikanischen Partner Wyndham aber weiter interessiert.

Von Thomas Siemon

Kontakt: Hotel Hessenland, Tel. 70 33 30.

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