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documenta erwartet kein Finanzminus, aber die Zahlen liegen noch nicht vor

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Von: Matthias Lohr

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Schönes Finale einer documenta, die das Publikum gespalten hat: Abschlusszeremonie am 25. September auf dem Friedrichsplatz. Derzeit wird an einer Strukturreform der Kunstschau gearbeitet. Archi
Schönes Finale einer documenta, die das Publikum gespalten hat: Abschlusszeremonie am 25. September auf dem Friedrichsplatz. Derzeit wird an einer Strukturreform der Kunstschau gearbeitet. Archi © Andreas Fischer

Anders als vor fünf Jahren erwartet die documenta diesmal kein Defizit. Noch liegen die Zahlen aber nicht vor. Auch die Strukturreform braucht noch Zeit. Dafür liegt ein Gutachten vor.

Kassel – Kurz nachdem die documenta fifteen am 25. September geschlossen wurde, verbreitete der damalige Interims-Geschäftsführer Alexander Farenholtz Hoffnung. Im HNA-Interview sagte er, er gehe davon aus, dass die Kunstschau anders als vor fünf Jahren nicht mit einem Defizit abschließe. „Ende Oktober oder Anfang November“ wisse man mehr.

Farenholtz ist längst nicht mehr im Amt. Die Geschäfte leitet nun Ferdinand von Saint André, doch Klarheit über die Finanzen gibt es noch nicht. Immerhin teilt Pressesprecherin Johanna Köhler auf Anfrage mit: „Man kann jetzt schon sagen: Die Zahlen sehen gut aus.“ Der Jahresabschluss soll Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals 2023 vorliegen.

Ein Bericht mit guten Zahlen wäre vorteilhaft für die Kunstschau, die zweimal hintereinander Negativschlagzeilen gemacht hat – 2017 mit einem Millionendefizit und diesen Sommer mit Antisemitismusvorwürfen.

Der Wirtschaftsplan war auch am Freitag im Aufsichtsrat Thema. Marcus Leitschuh, der für die CDU dort Mitglied ist, schrieb dazu auf Facebook: „Der Aufsichtsrat tagt, debattiert und stellt Weichen. Gleichzeitig läuft die wissenschaftliche Evaluation der Probleme der letzten Struktur und Ausstellung. Das Ziel ist klar, es geht weiter in Kassel.“

Das klingt wie ein Bekenntnis zu Kassel, das die heimischen Verantwortlichen zuletzt immer wieder abgaben, nachdem Rufe aus Berlin und auch Wiesbaden lauter geworden waren, der Bund solle mehr Einfluss bei der documenta bekommen. Oberbürgermeister Christian Geselle lässt als Aufsichtsratsvorsitzender dazu gegenüber unserer Zeitung von einem Sprecher der Stadt feststellen: „Kassel als der Standort der documenta stand und steht nicht zur Debatte.“

Debattiert wird aber weiterhin über eine Strukturreform, die derzeit erarbeitet wird, damit auf Krisen künftig besser reagiert werden kann, als es diesen Sommer der Fall war. Nach HNA-Informationen will man Saint André dazu noch Zeit lassen. Sein Vertrag läuft bis Ende März. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Dies gilt auch für die Findungskommission, die entscheidet, wer die nächste documenta 2027 leitet. Im Dezember waren die bisherigen Kuratoren der Weltkunstschau in Kassel zusammengekommen, um zu diskutieren, wer Mitglied der Findungskommission werden könne. Ruangrupa, die diesen Sommer die 15. Ausgabe verantwortet hatten, wollten nicht dabei sein. Wenn alles gut laufe, sagte Saint André im November, könnte der Aufsichtsrat noch vor Weihnachten darüber befinden. Bislang steht die Liste aber noch nicht. Laut der documenta wird „die Benennung der Findungskommission im zeitlichen und inhaltlichen Einklang mit dem Prozess der Restrukturierung erfolgen“.

Was aber immerhin in Berlin schon vorliegt, ist ein Gutachten des Verfassungsrechtlers Christoph Möllers. Der Professor der Humboldt-Universität gehört zu dem Expertengremium unter der Leitung der Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, welches die Gesellschafter als Folge der Antisemitismusdebatte eingesetzt hatten. Möllers kommt darin zum Schluss, dass die Kunstfreiheit auch für politische Kunst gelte.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) wertet das Gutachten gerade aus, wie sie der „Frankfurter Rundschau“ sagte: „Ich fühle mich durchaus bestätigt in meiner Einschätzung von Kunstfreiheit und von den Grenzen der Kunstfreiheit. Auch Professor Möllers sieht in der kollektiven Verantwortungslosigkeit ein großes Problem der documenta fifteen.“

Dem Aufsichtsrat liegt das Gutachten noch nicht vor, wie der Rathaussprecher sagt: „Es ist nur aus den Medien bekannt.“ Es könnte sein, dass künftig wieder mehr E-Mails zwischen Geselle und Roth ausgetauscht werden. Im Oberbürgermeisterwahlkampf hatte der Amtsinhaber zuletzt geklagt, dass er von der Grünen-Politikern zu wenige Antworten auf Briefe erhalte. (Matthias Lohr)

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