documenta-Halle: „Expedition Grimm“ wird aufgebaut

Die Macher der Ausstellung: Kurator Dr. Thorsten Smidt und die Mitkuratorin Caroline Kaiser.

Kassel. „Ein Volk ist der Inbegriff von Menschen, welche dieselbe Sprache reden“, sagte Jacob Grimm 1846 auf dem ersten Germanistikkongress in Frankfurt. Welche Bedeutung er und sein Bruder Wilhelm Grimm für die deutsche Sprache bis heute haben, ist Bestandteil der Landesausstellung „Expedition Grimm“.

Sie wird am kommenden Samstag in der Kasseler documenta-Halle eröffnet und derzeit noch aufgebaut. Die Landesausstellung ist bis zum 8. September anlässlich des 200. Geburtstages der Kinder- und Hausmärchen zu sehen.

Dass die berühmten Brüder weit mehr als Märchensammler waren, als Forscher die deutsche Kultur- und Sprachgeschichte maßgeblich geprägt haben, soll durch die Ausstellung, in die das Land 1,5 Millionen Euro investiert hat, deutlich werden. „Wir wollen dem Publikum die Bedeutung der Grimms auf eine Art und Weise vermitteln, sodass es nicht nur Germanisten verstehen“, sagt Dr. Thorsten Smidt. Das ist dem Kurator der Ausstellung und seinem Team gelungen.

In drei Kabinetten werden um die 150 Exponate aus dem Leben der Grimms ausgestellt. Darunter ist ein Stuhl aus der Torwache (eine Kasseler Wohnung der Familie), der Ehering von Wilhelm, eine Zuckerdose, die im Amtshaus in Steinau zurückgelassen wurde, genauso wie ein Bandkatalog mit handschriftlichen Aufzeichnungen der beiden Bibliothekare oder die Abschlussrede von Jacob, die er als einer der besten Abiturienten am Friedrichsgymnasium gehalten hat. Die Exponate, die aus der ganzen Welt für die Ausstellung zusammengetragen wurden, werden zeitgeschichtlich eingeordnet und mit den jeweiligen politischen Ereignissen in Zusammenhang gebracht.

Man kann das Leben der Grimms aber nicht nur nachvollziehen, sondern bei der Ausstellung auch mitmachen. „Die Besucher sollen nicht nur konsumieren, sondern wir wollen sie aktivieren“, sagt Smidt.

Im unteren Teil der Halle, in der die Profile von Jacob und Wilhelm zu einer Hügellandschaft umfunktioniert worden sind, sind acht Expeditionspfade mit 33 Mitmachstationen für Jung und Alt aufgebaut worden. Hier kann man zum Beispiel erleben, wie die Grimms in drei Schritten das Hildebrandslied lesbar gemacht haben oder wie sich die Illustrationen zu Rotkäppchen - von Ludwig Emil Grimm (1825) bis Manga (2012) - verändert haben. Für Kinder laden die Bremer Stadtmusikanten mit ihren Freunden zum Spielen ein.

Zu den Höhepunkten gehört „Das lebende Buch“, ein überdimensionales Buch, das auf jeder Doppelseite mit Text, Bild, Film und Ton Geschichten vom Leben und der Arbeit der berühmten Brüder erzählt. Zudem wird dank moderner Technik die Grimm’sche Wohnung in der Torwache durch eine 3 D-Rekonstruktion virtuell begehbar gemacht.

Bilder vom Aufbau

Aufbau der Ausstellung „Expedition Grimm“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.