Land Hessen beteiligt sich mit sechs Millionen Euro

documenta-Institut an der Uni Kassel: Endgültiges Ende der Standort-Frage?

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Hier könnte ein Neubau errichtet werden: Eine Montage mit dem geplanten Standort des documenta-Instituts auf dem heute als Parkplatz genutzten Areal am Uni-Campus an der Holländischen Straße.

Gute Nachricht für die documenta-Stadt Kassel: In einem gemeinsamen Kraftakt von Stadt, Land und Bund ist der Startschuss für die Realisierung eines documenta-Instituts gefallen.

Der Artikel wurde um 21.11 Uhr aktualisiert. Unter anderem soll dort das documenta-Archiv seine neuen Räume beziehen. Was seit über einem Jahr geplant ist, sei nun „ganz offiziell“ vereinbart worden, sagte Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, im Rahmen einer Pressekonferenz in Kassel am Mittwoch: Das Land stellt für den Bau sechs Millionen Euro in Aussicht. Die Stadt als Bauherr ist ebenfalls mit sechs Mio. Euro im Boot. Weitere zwölf Millionen sind eine Förderung der Bundesregierung aus dem Haushalt der Beauftragten für Kultur und Medien. Die Gesamtkosten des Bauvorhabens belaufen sich auf 24 Mio. Euro.

Eine Kooperation wird es auch bei den jährlichen Betriebskosten für das documenta-Institut in Höhe von 200.000 Euro geben. Sie werden je zur Hälfte von Stadt und Land getragen.

Ein Architekten-Wettbewerb für den Neubau soll demnächst ausgeschrieben werden, so Geselle. Als Bauplatz für das documenta-Institut mit einer geplanten Grundfläche von 6500 Quadratmetern stehe das städtische Grundstück am Holländischen Platz vor den Toren der Universität – heute ein Parkplatz – zur Verfügung. In dem Zusammenhang verwies Geselle auf einen entsprechenden Magitratsbeschluss vom Juni 2017. Eine eventuelle Baukostensteigerung – auch das sei vereinbart, so Geselle, liege bei der Stadt.

Hoch zufrieden über den Standort äußerte sich Uni-Präsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey. Die Uni wird im Rahmen der Konzeption für das Institut mit drei zusätzlichen Professuren ausgestattet. Diese sollen jetzt international ausgeschrieben werden.

Rhein betonte den Status „Forschungsinstitut“: Das documenta-Institut werde ein Meilenstein auf dem Weg zur Etablierung des Forschungsstandorts Hessen sein.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Stand der Dinge

Ist die Beteiligung des Bundes etwas Besonderes?

Ja, dass sich Bund, Land und Kommune die Investition von maximal 24 Mio. Euro teilen, ist nicht selbstverständlich – es ist auch ein Signal dafür, wieviel Bedeutung die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, der documenta zumisst. 12 Mio. Euro Förderung sind in ihrem Haushalt eingeplant, sechs Mio. Euro Zuschuss hat das Land Hessen in Aussicht gestellt, ebenfalls sechs Mio. Euro wird der städtische Anteil betragen.

Und wer wird für die Folgekosten aufkommen?

Schon bislang teilen sich Land und Stadt als documenta-Gesellschafter die Kosten des documenta Archivs in Höhe von einer Mio. Euro im Jahr. Diese Summe wird um 420 000 Euro für Personal- und Sach- sowie 200 000 Euro Betriebskosten aufgestockt.

Wann soll es mit dem Bau losgehen?

Diesbezüglich gab es gestern überhaupt keine Auskünfte. Fest steht: Es soll einen Architektenwettbewerb geben. Die städtische Bauverwaltung soll nun alle erforderlichen Schritte dafür in die Wege leiten.

Ist die Standortfrage damit endgültig geklärt?

Da musste man gestern genau hinhören und zwischen den Zeilen lesen. „Geschäftsgrundlage“ der Vereinbarung mit allen Beteiligten, so Oberbürgermeister Christian Geselle, sei das Grundstück am Holländischen Platz, das die Stadt Kassel zur Verfügung stellt: die als Parkplatz genutzte Fläche an der Ecke Holländische/Henschelstraße. „An diese Beschlusslage des Magistrats ist die Verwaltung gebunden.“ Sollte es neue Überlegungen mit entsprechenden Mehrausgaben geben, müsse allein die Stadt das Geld dafür bereitstellen. Geselle betonte die Verantwortung der Verwaltung, die Kosten im Griff zu behalten. Es seien bereits knapp 20 mögliche Standorte geprüft worden. Ein Umbau des Dock 4, wo das Archiv heute angesiedelt ist, sei „abwegig“. Ein eindeutiges Bekenntnis zum „Hopla“ aber könnte durchaus anders aussehen.

Was sagten die anderen auf dem Podium zum Standort?

Nicht die Lage sei ausschlaggebend, erklärte Minister Boris Rhein, sondern was dort stattfinde. Und Prof. Dr. Reiner Finkeldey, Präsident der Universität, unterstrich: „Wir unterstützen diesen Standort nachdrücklich.“ Die interdisziplinäre Forschung werde durch die räumliche Nähe zu den anderen Fachbereichen gestärkt. Die „funktionellen Aspekte“ des Archivs stünden im Vordergrund, sagte der Interimsgeschäftsführer der documenta, Wolfgang Orthmayr, nicht der Standort. Er sieht übrigens 6500 Quadratmeter Grundfläche vor.

Ist ein Ziel des Instituts, für mehr Präsenz der documenta zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen zu sorgen?

In erster Linie soll das Institut eine Forschungseinrichtung sein, die sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte und Bedeutung der documenta widmet – und das im Kontext vieler globaler Großausstellungen von Gegenwartskunst. Es soll auch den Wissenschaftsstandort Kassel stärken, so Uni-Präsident Finkeldey. Basis und Rückgrat, so Orthmayr, seien die Schätze des documenta Archivs. Kulturdezernentin Susanne Völker skizzierte folgende inhaltliche Säulen: Die Forschung und wissenschaftliche Arbeit vor allem auf Grundlage der Archivmaterialien (als „die DNA“ des Instituts), aber auch die Vermittlung in die Öffentlichkeit anhand von Vorträgen, Symposien und Ausstellungen – auch in Kooperation beispielsweise mit der Neuen Galerie.

Das Land hat neben documenta-Professorin Nora Sternfeld, die seit 2017 tätig ist, drei weitere Professuren angekündigt? Wann kommen sie?

Unabhängig davon, ob das Gebäude steht. Das Land finanziert die Stellen in diesem Jahr mit 180 000 Euro und 2019 mit 360 000 Euro. Noch in diesem Jahr sollen die drei Professuren international ausgeschrieben werden, so Finkeldey, und zwar mit den Schwerpunkten „Kunst und Gesellschaft“, „Kunst und Wissen“ und „Kunst und Ökonomien“. Sie sollen in die Gesellschaft, in die Kunstszene und die Stadtgesellschaft hineinwirken. Finkeldey: „Das Institut soll weltweit sichtbar und führend sein, wir brauchen die entsprechenden Köpfe.“

Wenn diese Stellen zunächst an der Uni angesiedelt sind, widerspricht das nicht der Konstruktion einer außeruniversitären Forschungseinrichtung?

Diesem Eindruck widersprachen sowohl der Minister als auch der Uni-Präsident. Auch bei den Fraunhofer- oder Max-Planck-Instituten sei der enge Austausch mit Universitäten selbstverständlich: „Die Spielräume der Autonomie sind auch dort unglaublich weit“, so Rhein.

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