Zukunftssorgen nach absehbarer Mehrheit

documenta-Institut soll auf Karlsplatz gebaut werden: Anlieger enttäuscht

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Mehrheit für Bebauung zeichnet sich ab: Hier könnte das geplante documenta-Institut entstehen.

Eine politische Mehrheit scheint sicher, dass das geplante documenta-Institut auf dem Karlsplatz in Kasselgebaut werden soll.

Nachdem fünf Stadtverordnete von Kasseler Linken, Freien Wählern und Piraten ihre Zustimmung für das Projekt angekündigt haben, reagierten am Montag geschäftliche Anlieger mit Frust und Enttäuschung. Sie kämpfen seit Monaten mit einer Bürgerinitiative (BI) gegen das Vorhaben und sehen wirtschaftlich schwere Zeiten auf sich zukommen, wenn der Karlsplatz über Jahre zur Baustelle wird.

„Wir sind enttäuscht, wie das gelaufen ist“, sagt Peter Kracheletz vom gleichnamigen Bestattungsinstitut. Mit den betreffenden Stadtverordneten wolle die BI „Rettet den Karlsplatz“ nun das Gespräch suchen. Doch dem Unternehmer ist auch klar: „Wenn die Entscheidung so kommt, dann kommt sie.“ Seine Bestattungsfirma sei noch günstig dran, da sich die Kunden in aller Regel telefonisch melden und man dann Hausbesuche vereinbaren könne. „Aber für viele Kollegen hier sehe ich schwarz.“

Fürchtet Großbaustelle: Hans-Martin Böhm vom Geschäft „Moneypoint“.

Schwarz sieht etwa Hans-Martin Böhm vom Second-Hand-Laden „Moneypoint“ für seine Geschäfte, wenn vor der Ladentür „eine Mega-Baustelle“ entsteht. Seine Kunden kämen meist mit großen Kartons. „Ohne Parkmöglichkeiten in der Nähe werden wir keine Ware mehr bekommen“, fürchtet Böhm. Seit 15 Jahren sei er an dem Geschäftsstandort tätig, aber nun halte er es für geboten, sich schon mal nach einem anderen Standort umzuschauen. Auch einige seiner acht Mitarbeiter gingen nicht davon aus, dass ihr Job am Karlsplatz eine Zukunft hat.

Vermisst Informationen: Café-Betreiber Klaus Nenninger.

Café-Betreiber Klaus Nenninger hat so eine Lage schon einmal erlebt, als sein Betrieb noch an der Garde-du-Corps-Straße war und vor rund 20 Jahren gegenüber das Großkino Capitol gebaut wurde: „Da sind wir ans Ende unserer Kraft gekommen und wären beinahe aus Kassel weggegangen.“ Gerade jetzt habe er für seine Geschäftsräume eine Mieterhöhung bekommen, sagt Nenninger. Zugleich sei nun abzusehen, dass ihm in der Bauzeit viel Laufkundschaft wegbrechen werde.

Er sehe wenig Sinn darin, sich in die Planungen mit seinen geschäftlichen Anforderungen einzubringen: „Man hat uns im Vorfeld nicht informiert und das wird wohl auch so weitergehen“, sagt Nenninger, und es klingt resigniert.

SPD-Fraktionschef Patrick Hartmann sagt dagegen mit Blick auf die kommenden Planungsschritte: „Jetzt geht der Beteiligungsprozess erst richtig los.“ Er begrüße es sehr, dass sich „einzelne Stadtverordnete erklärt haben“. Dabei finde er gut, „dass man auf Sachthemen bezogen Argumente walten lässt und verantwortlich mitgestaltet“.

Auch die Fraktion der Grünen begrü��t die Perspektive für eine Bau-Entscheidung am Karlsplatz. Bei den weiteren Planungsschritten sei es wichtig, mit den betroffenen Geschäftsleuten im Austausch zu stehen, sagt Fraktionschef Boris Mijatovic: „Die Anlieger haben berechtigte Interessen“, etwa was Lieferverkehr und Erreichbarkeit angehe. Ein Austausch bedeute aber nicht, „dass alle Erwartungen erfüllt werden können“, betont Mijatovic.

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