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Andreas Hoffmann soll Weichen für documenta 16 stellen

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Vertraut mit der Antike: Andreas Hoffmann im September 2014 im Bucerius Kunst Forum in Hamburg als Kurator der Ausstellung „Pompeji – Götter, Mythen, Menschen“ mit einer Karte der antiken Stadt.
Vertraut mit der Antike: Andreas Hoffmann im September 2014 im Bucerius Kunst Forum in Hamburg als Kurator der Ausstellung „Pompeji – Götter, Mythen, Menschen“ mit einer Karte der antiken Stadt. © Bodo Marks/picture alliance/dpa

Die documenta in Kassel hat einen neuen Geschäftsführer: Wer ist der neue Mann an der Spitze der Weltkunstschau?

Kassel – Von Athen lernen – das Motto der documenta 14 von Adam Szymczyk fällt einem bei der Berufung von Andreas Hoffmann zum documenta-Geschäftsführer als Erstes ein. Der Kulturmanager, der zurzeit noch die Geschäftsführung im Bucerius Kunst Forum in Hamburg innehat, ist vertraut mit der Antike: Er hat Klassische Archäologie, Lateinische Philologie und Alte Geschichte studiert.

In dem von der „Zeit“-Stiftung getragenen Ausstellungshaus in der Nähe des Rathauses hat er die Ausstellungen „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen“ (2014) und „Die neuen Bilder des Augustus. Macht und Medien im antiken Rom“ kuratiert – sie geht an diesem Sonntag zu Ende. Am 1. Mai wird Hoffmann seinen Posten in Kassel antreten – und dann ganz überwiegend mit Gegenwartskunst zu tun haben.

Mit der Personalentscheidung gehe eine Weichenstellung für die Zukunft der documenta einher, sagten gestern Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle als Aufsichtsratsvorsitzender und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, Hessens Kunstministerin Angela Dorn. Als Kulturinstitution von weltweiter Bedeutung müsse sich die documenta inhaltlichen Fragen und strukturellen Herausforderungen stellen. Der Aufsichtsrat sei überzeugt, dafür einen „ebenso erfahrenen wie auch engagierten Kulturmanager“ gewonnen zu haben. Den Titel eines „Generaldirektors“, wie die im Sommer 2022 abberufene Sabine Schormann, wird Hoffmann nicht mehr tragen.

Neuer documenta-Geschäftsführer: Internationale Strahlkraft und innovative Formen

Hoffmann selbst teilte mit, er gehe die Aufgabe mit großem Respekt, aber auch viel Engagement und großem Enthusiasmus an. Er freue sich sehr auf die enge kollegiale Zusammenarbeit mit den kompetenten Teams der documenta. Alle Ausgaben der Ausstellung seien „wichtige Seismographen zentraler Diskurse und Herausforderungen unserer Gesellschaft im Spiegel der Kunst“ gewesen.

Die documenta 16 wird vom 12. Juni bis 19. September 2027 in Kassel stattfinden. „Bis dahin werden die Verständigung auf Standards im Umgang mit der Kunstfreiheit und ihren Grenzen, im Umgang mit jeglicher gruppenspezifischen Form der Menschenfeindlichkeit wie Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus, aber auch die Anpassung der Organisations- und Gremienstrukturen sowie die Festlegung der Rahmenbedingungen, unter denen die künstlerische Leitung der documenta 16 ihre kuratorische Verantwortung wahrnimmt, eine zentrale Rolle spielen“, teilte der Aufsichtsrat gestern mit. Hoffmann nannte die weitere Erhöhung der internationalen Strahlkraft der documenta und die Weiterentwicklung innovativer Formen der Kunstvermittlung als zusätzliche Ziele.

In der gestrigen Pressemitteilung äußern Geselle und Dorn auch „ein großes Dankeschön“ für die Tätigkeit des Interimsgeschäftsführers Ferdinand von Saint André: „Seiner Leidenschaft und Professionalität im Umgang mit dem wertvollen kulturellen Schatz Kassels und unseres Landes gebührt allerhöchster Respekt.“

Zur Person

Prof. Dr. Andreas Hoffmann, geboren 1971 in Norden, hat in Hamburg, Berlin und Heidelberg studiert und berufsbegleitend eine Ausbildung zum PR-Referenten absolviert. 2002 ist seine Dissertation „Tod in Tarent. Grabritual und Gesellschaft“ als Teil eines deutsch-italienischen Forschungsvorhabens zur Erschließung der Nekropole der Handelsstadt in Apulien erschienen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er von 2001 bis 2004 für die Antikensammlung des Museums für Kunst und Gewerbe zuständig und Kurator von Ausstellungen über die Etrusker, Pyramiden, aber auch Gunter Sachs. Anschließend war Hoffmann Geschäftsführer der Freunde der Kunsthalle Hamburg und Geschäftsführer des Bundesverbandes der Fördervereine deutscher Museen bildender Kunst.

Seit 2007 ist er Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums. Er verantwortete die Erweiterung 2008 sowie den 2019 eröffneten Neubau des Ausstellungshauses. Bis 2019 war er zusätzlich Programmleiter Kunst und Kultur für die Musik- und Denkmalprojekte der „Zeit“-Stiftung. Der Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg ist unter anderem auch Mitglied im Aufsichtsrat für die Kunsthalle Emden. Hoffmann ist verheiratet mit der Klassischen Archäologin Annette Haug

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