Widerstand gegen Karlsplatz als Standort

Standort für das documenta-Institut: Es könnte eine Überraschung folgen - Geselle setzt auf Plan B

Wäre das ein Ort für das documenta-Institut? Die documenta-Halle steht in der Nähe des Fridericianums, dem Zentrum der Kunstschau, getrennt nur von Steinweg und Staatstheater.
+
Wäre das ein Ort für das documenta-Institut? Die documenta-Halle steht in der Nähe des Fridericianums, dem Zentrum der Kunstschau, getrennt nur von Steinweg und Staatstheater.

Die Suche nach einem Standort für das documenta-Institut in Kassel könnte mit einer Überraschung enden.

Kassel – Gerade hat Oberbürgermeister Christian Geselle angekündigt, dass es womöglich besser sei, es nicht zum Bürgerentscheid gegen den Standort Karlsplatz kommen zu lassen und dafür auf einen Plan B zu setzen, gegen den es weniger Widerstand gibt.

Darüber sollen die Stadtverordneten am 31.08.2020 entscheiden. Bislang gibt es aus dem Rathaus keine offiziellen Aussagen über einen alternativen Standort. Nach HNA-Informationen könnte der Plan B jedoch die documenta-Halle sein.

Kassel: Standort für documenta-Institut - Karlsplatz mit knapper Mehrheit Favorit

Sie spielte bei der jahrelangen Suche nach einer Heimat für das neue Institut keine Rolle. 17 Standorte in Kassel wurden untersucht. Favorit war zunächst der Holländische Platz. Später beschlossen die Stadtverordneten mit einer knappen Mehrheit, den Karlsplatz bebauen zu wollen. Dagegen sammelten Anwohner allerdings 7000 Unterschriften. Mindestens 4700 waren gültig, weshalb es im Winter zu einem Bürgerentscheid kommt – es sei denn, die Stadtverordneten einigen sich auf eine Alternative.

Kassel: Generaldirektorin kann sich documenta-Halle als Standort gut vorstellen

Geht es nach der documenta selbst, wäre die documenta-Halle eine gute Wahl. Generaldirektorin Sabine Schormann kann sich das Institut dort „natürlich vorstellen“ –neben anderen Optionen, wie sie unserer Zeitung sagt. „Die zentrale Lage, die Beziehung zum Ausgangspunkt der documenta sowie die Öffnung in die Stadtgesellschaft“ seien wie beim Karlsplatz wichtige Kriterien, die erfüllt würden.

Sabine Schormann

Schon seit Längerem beschäftigt sich die documenta mit dem 1992 errichteten Gebäude. Wie beim Fridericianum gäbe es „einen erheblichen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf“. Daher werde geprüft, ob „ein zeitgemäßes Ausstellungshaus, aber auch eine für Ausstellungen und Veranstaltungen optimierte Halle inklusive einer modernen Büronutzung für die Geschäftsstelle“ realisiert werden kann. Danach entscheidet sich laut Schormann, „ob eine Modernisierung, ein Umbau oder ein Neubau Sinn macht“.

Auch Barbara Ettinger-Brinckmann, die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, die sich immer wieder in die Debatte eingeschaltet hat, hält die documenta-Halle ebenso wie den Karlsplatz für einen „tollen Standort“. Allerdings könnte sie zu klein sein – „selbst wenn man noch Geschosse einziehen würde“.

Eine zehn Jahre alte entsprechende Untersuchung müsste überprüft werden. Zudem gibt es ihrer Ansicht nach ein weiteres Problem. Das Frankfurter Architektenbüro Jourdan & Müller, das die Halle vor fast 30 Jahren entwarf, habe „mit Sicherheit Urheberrechte an dem Bau“.

Kassel: Stadtbaurat hält weiter an Karlsplatz als Standort für documenta-Institut fest

Darum wird weiterhin über mehrere Standorte diskutiert. Es ist nach wie vor möglich, dass der Karlsplatz bebaut wird. Stadtbaurat Christof Nolda hält weiter an ihm fest. Die CDU favorisiert hingegen die Parkplätze am Staatstheater (Du-Ry-Straße) und Ottoneum (Papinplatz). Auch die Torwache hat einige Fürsprecher. Dagegen scheint die ehemalige Sport-Arena in der Treppenstraße aus dem Rennen zu sein. Hier residieren nun die neuen documenta-Leiter von Ruangrupa.

Mit welcher Überraschung die Standortsuche auch immer endet: „Der nächste Standort“, warnt Ettinger-Brinckmann, „muss wirklich sitzen.“ (Matthias Lohr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.