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documenta-Kinderkrippe soll in Kassel bleiben - 178.500 Euro Spenden sind nötig

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Von: Matthias Lohr

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Kostenloser Treffpunkt für Kleinkinder und deren Eltern: Nicht nur Manuela Guimaraes Kunsch, die Tochter der brasilianischen Künstlerin Graziela Kunsch, hatte während der documenta Spaß in der Kinderkrippe im Fridericianum. Die Einrichtung soll nun einen Standort in der Markthalle bekommen. Archi
Kostenloser Treffpunkt für Kleinkinder und deren Eltern: Nicht nur Manuela Guimaraes Kunsch, die Tochter der brasilianischen Künstlerin Graziela Kunsch, hatte während der documenta Spaß in der Kinderkrippe im Fridericianum. Die Einrichtung soll nun einen Standort in der Markthalle bekommen. Archi © Pia Malmus 

Die Krippe der documenta hat im Sommer viele Eltern mit Kleinkindern ins Fridericianum gelockt. Nun steht fest: Die Einrichtung soll bleiben und in die Markthalle einziehen. Dazu gibt es einen Spendenaufruf.

Kassel – Dass die Kinderkrippe im Fridericianum in diesem documenta-Sommer ein besonderer Ort war, beobachtete Elke Avenarius fast täglich. Die Geschäftsführerin der Krippe „Kleine Entdecker“ hatte die Einrichtung mit der brasilianischen Künstlerin Graziela Kunsch gestaltet. Viele Eltern seien nach einem hektischen Tag mit ihren Kindern gekommen, die sehr unruhig waren. Wenig später hätten sich die Kleinen schon beruhigt – wegen der besonderen Atmosphäre, wie Avenarius sagt: „Das hat mir das Herz erwärmt.“

Bald soll es den besonderen Ort in Kassel wieder geben. Die „Eltern und Kleinkinder Krippe / Public Daycare“, wie das Kunstwerk heißt, soll angekauft werden und einen dauerhaften Platz in der Markthalle bekommen. Dafür gibt es nun einen Spendenaufruf der Stadt, der documenta sowie der Künstlerin Kunsch. Avenarius ist sich sicher: „Das wäre ein totaler Gewinn für die Stadt.“

Während der documenta konnten Eltern und Kinder das Angebot sieben Tage in der Woche von 10 bis 20 Uhr kostenlos und ohne Anmeldung nutzen. Es gab Wickel- und Stillmöglichkeiten, Spiel- und Ruheflächen. Die Krippe war ein zentraler Bereich im Fridericianum, das während der documenta Fridskul hieß – eine Schule als Teil der Kunstschau.

Schon im Sommer hatten sich Eltern, die sich bis dahin gar nicht gekannt hatten, zusammengetan, um die Kinderkrippe in Kassel zu halten. Nun sollen 178.500 Euro gesammelt werden, um die vollständige Einrichtung und Ausstattung, eine „Bibliothek des Spiels“, die Fotoausstellung und die Videoarbeit zu kaufen. Zeitnah könnte die „Eltern und Kleinkinder Krippe“ dann in der Markthalle eröffnet werden. Kostenlos würde sie dort allen Kindern bis drei Jahren und ihren Begleitpersonen zur Verfügung stehen. Betrieben werden soll sie von der Elterninitiative, die einen Trägerverein gründet. Für den Betrieb gibt es von der Stadt eine Anschubfinanzierung von 15 000 Euro jährlich, wie es in einer Mitteilung heißt.

Das pädagogische Konzept der Krippe geht auf die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler (1902 bis 1984) zurück, die neue Wege in der Pädagogik für Kleinkinder beschritt. Ihr Leitspruch lautete: „Das Kind ist Protagonist seiner eigenen Entwicklung.“

Ursprünglich sollte die documenta-Krippe in Kunschs brasilianische Heimat São Paulo gebracht werden. Nun will die Künstlerin mit der gelernten Bauingenieurin Avenarius dort eine weitere Einrichtung planen. Sollten die 178.500 Euro zusammenkommen, würde es also gleich zwei Krippen geben. Die Kampagne läuft drei Monate. Kommt das Geld nicht zusammen, erhalten es die Spender zurück.

Für Kulturdezernentin Susanne Völker ist es „bereits gute Tradition“, dass Kunstwerke durch bürgerschaftliches Engagement für Kassel gewonnen wurden. So wurden etwa der Obelisk in der Treppenstraße und der Penone-Baum in der Karlsaue durch Spenden finanziert.

Zudem werden wohl noch weitere documenta-Kunstwerke angeschafft. Dazu hat die Ankaufskommission bereits getagt. Die Entscheidung wird erst im nächsten Jahr verkündet. (Matthias Lohr)

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