Korbinians-Apfelbaum gehörte zu dauerhaften Außenkunstwerken

Documenta-Kunstwerk in Karlsaue zerstört

Kassel. Böse Überraschung kurz vor den Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag der documenta: Aus der Karlsaue ist eines der dauerhaften Außenkunstwerke verschwunden.

Es ist der Korbinians-Apfelbaum, den Künstler Jimmie Durham 2011 nahe der Orangerie gemeinsam mit documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev gepflanzt hatte. Der inzwischen knapp drei Meter hohe Baum dürfte allerdings nicht Kunstdieben, sondern Vandalen zum Opfer gefallen sein.

Die Täter seien mit umfassender Zerstörungswut vorgegangen, hieß es auf HNA-Anfrage bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), deren Gärtner den Schaden vor ein paar Wochen entdecken: Das junge Gehölz sei komplett aus dem Boden gerissen, sämtliche Äste seien abgebrochen worden. Wieder eingepflanzt werden könnten die Überbleibsel des Kunst-Baums nicht mehr.

Documenta-Sprecherin Henriette Gallus äußerte sich „sehr traurig und schockiert“ über den Vorfall. Ob sich die Täter mit der Baum-Attacke gar ausdrücklich gegen die Kasseler Weltkunstschau richten wollten, bleibe Spekulation, sagte Gallus. Die Akribie, mit der das Bäumchen zu Kleinholz gemacht wurde, sei zumindest ein Indiz dafür.

Es sei „auf jeden Fall ein Kunstwerk“, das hier zerstört wurde, sagte Gallus. Durhams Beitrag zur documenta 13 hat einen historisch bedrückenden Hintergrund: Die seltene Sorte Korbiniansapfel wurde von einem Häftling im Konzentrationslager Dachau gezüchtet - als Saat des Lebens, die den Naziterror schließlich überstand.

Nach Angaben der MHK wird auch in Kassel die Natur am Ende die Oberhand behalten: Im Spätherbst werde ein gleich altes Bäumchen dieser Apfelsorte nachgepflanzt.

In weiser Voraussicht hatten die Macher der documenta 13 gleich ein Ersatzgehölz für die MHK-Gärtnerei angeschafft, falls das zarte Apfelbäumchen durch den Ansturm der Kunsttouristen vor drei Jahren Schaden genommen hätte.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.