Polizeioberrat Karl-Heinz Wolf geht in Ruhestand und wird Sicherheitsberater der d13

documenta: Ehemaliger Polizeioberrat Wolf wird Sicherheitsberater

Vom Revier zur Kunst: Polizeioberrat Karl-Heinz Wolf verlässt jetzt das Revier Mitte und wird Sicherheitsbeauftragter der documenta. Verbindungen zur modernen Kunst gibt es. Das Bild in seinem Büro hat sein ältester Sohn gemalt. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. In den vergangenen zehn Jahren war Karl-Heinz Wolf Chef von zuletzt 100 Schutzfrauen und -männern im Revier Mitte, dem Polizeirevier mit der wohl höchsten Schlagzahl. Am Dienstag ging er in den Ruhestand, jedoch schon mit neuer Aufgabe vor der Brust: Er wird Sicherheitsberater der documenta.

Ihm sei es als Chef immer wichtig gewesen, den Kollegen den Rücken zu stärken, und seine Wertschätzung auszudrücken. Wolf ist einer, der nicht um den heißen Brei redet. Als im vergangenen Jahr zwei seiner Streifenbeamten bei einer Festnahme hart attackiert wurden, ging er damit an die Öffentlichkeit. Er sprach auch Themen an, bei denen andere lieber schweigen. Er thematisierte straffällige Russlanddeutsche, die die Polizei kaum noch ernst nehmen würden. „In der Heimat dieser Menschen herrscht eine ganz andere Form des Umgangs miteinander.“

Als im Mai 2004 ein Tatverdächtiger bei einer Festnahme auf der Friedrich-Ebert-Straße starb und ein Zeuge behauptete, Polizisten hätten durch Gewalteinwirkung den Tod verursacht, da stand Wolf hinter seinen Leuten. Er kämpfte gegen die „Vorverurteilung der Medien“ und die Suspendierung der Beamten. Die Ermittlungen ergaben schließlich, dass der Mann an Herzversagen gestorben war.

Als er vor 43 Jahren zur Polizei ging, da habe er nie die Vision gehabt, in eine Führungsposition zu kommen. „Ich dachte, ich fahre bis zum Lebensende Streife.“ Für die Polizei entschied sich der gebürtige Wolfhager, der in der Kasseler Nordstadt aufwuchs (sein Vater war Gießer bei Henschel), nur, weil er 1968 keine Lust auf die Bundeswehr hatte. „Da wären mir die Ohren lang gezogen worden.“ Für die Polizei hätten zudem die Zusammenarbeit mit Menschen und der Sport gesprochen.

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Wolf ist durch und durch Fußballer. Er war Mittelfeldspieler und Kapitän beim SV Hermannia Kassel. Er erinnert sich an Spiele gegen den KSV, bei denen 5000 Zuschauer im Nordstadtstadion waren. Später wechselte er zum KSV Hessen Kassel und trainierte ab 1992/1993 die erste Mannschaft der Löwen. Anschließend wurde er Trainer beim SC Neukirchen, den er 1995 aus der Oberliga in die Regionalliga Süd führte.

Wolf ist ein typischer Nordhesse: Bodenständig, kompetent und mit seinen Gesprächspartnern stets auf Augenhöhe. Mit seiner Frau Irmgard lebt er in Oberelsungen. Sohn Dennis (35) ist Arzt im Ludwig-Noll-Krankenhaus, Sohn Sven (31) arbeitet als Koch bei Tim Mälzer in Hamburg. Große Freude bereitet ihm seine Enkeltochter Pauline, neun Monate alt.

Am Dienstag hat er seinen 61. Geburtstag gefeiert. Seinen Ruhestand will er jetzt ruhig angehen, sagt er. Was Wolf unter ruhig versteht? Er ist neuer Sicherheitsbeauftragter der documenta 13.    

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