6500 Besucher kamen zur 21. Auflage

Kunsthandwerkermarkt Kassel: Kleiner Ausblick, wie die documenta 15 aussehen könnte

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Kunst als Kleidung: Naima Omari verkaufte für ruangrupa Produkte der indonesischen Künstlergruppe, die die nächste Kasseler Weltkunstschau leiten.

Der Kasseler Kunsthandwerkermarkt lockten jedes Jahr im November Tausende in die documenta-Halle. Diesmal stellten dort sogar die neuen Leiter der Kasseler documenta aus.

Wer wissen will, wie die nächste documenta aussehen könnte, war am Wochenende auf dem Kasseler Kunsthandwerkermarkt richtig. 

Fast 100 Aussteller verkauften in der documenta-Halle Schmuck, Keramik, Textilkunst und mehr – auch die indonesische Künstlergruppe ruangrupa, die die d15 leitet, hatte einen Stand. Eindrücke von der 21. Auflage des Kunsthandwerkermarkts, der Samstag und Sonntag 6500 Menschen anlockte.

Die documenta-Leiter

Beinahe hätten ruangrupa ihren „Ruru-Pop-Up-Store“ nicht auf dem Kunsthandwerkermarkt aufbauen können. Als die zehnköpfige Künstlergruppe vor einigen Monaten von der Veranstaltung hörte, wollte sie sofort dabei sein. 

Es passt perfekt zum Vorhaben der Asiaten, sich mit Menschen hier zu verbinden. Allerdings war der Markt schon ausgebucht. Darum errichteten ruangrupa ihren Stand in der Nähe des Eingangs, wo noch ein bisschen Platz war.

Während die neuen documenta-Leiter im „Peppermint“-Studienraum in der Unteren Karlsstraße zwei Tage konferierten, verkaufte Naima Omari ruangrupa-Produkte in der documenta-Halle – darunter T-Shirts und Hemden zu Themen wie Menstruation oder eine Zahnpasta zum Um-den-Hals-tragen.

Carsten Dürke macht aus DDR-Rucksäcken Schiebermützen.

„Alles erzählt eine Geschichte“, sagt Omari, die in Kassel Kunst studiert hat, nun als Lehrerin in Fulda arbeitet und am Freitag noch in Berlin als Elektro-DJane aufgelegt hatte. Sie war von ruangrupa als Verkäuferin engagiert worden und erklärte staunenden Besuchern, was es mit dem Store auf sich hat: „Die Menschen sollen ein Gefühl dafür bekommen, was Indonesien bedeutet.“ 

Wie die nächste documenta wird, weiß die 25-Jährige verständlicherweise auch nicht, aber sie prophezeit eine Ausstellung, die so bunt ist wie ihr Stand: „Ruangrupa lehren uns, dass man nicht alles so ernst nehmen darf.“

Der Markt

Ähnliche Erfahrungen machten Besucher auch an anderen Ständen. Carsten Dürke etwa stellt mit seiner Berliner Firma Róka modische Schiebermützen aus Seesäcken und DDR-Kinderrucksäcken her. 185 Euro kostet das teuerste Modell. Die Investition kann sich lohnen. Hollywood-Star und documenta-Besucher Brad Pitt trägt ähnliche Mützen.

Holz, Keramik und Ost-Recycling: Anja Werner fertigt Holzgestalten an

Während die Ostfriesin Andrea Bielicke-Helms Keramikschälchen mit nackten Frauen anbot, macht Anja Werner aus dem Erzgebirge eher klassische Figuren aus Holz. „Ich verkaufe viel hier. Vor allem Engel gehen immer“, sagt die 48-Jährige.

Nicht nur wegen der großen Nachfrage ist der Kasseler Markt selbst bei Besuchern aus Frankfurt beliebt. Der Berliner Uwe Weißflog hat mehrere Bücher über Kunsthandwerker geschrieben, deren Werke „eine echte Alternative zum Massenkonsum“ sind. Über Kassel urteilt er: „Anders als auf anderen Märkten gibt es hier immer eine hohe Qualität.“

Kunsthandwerkermarkt Kassel: Veranstalter achten sehr auf Qualität

Das schaffen die Veranstalterinnen Evelyn Berndt-Rojo, Martina Heumann-Bayer und Christiane Weiß mit einer knallharten Auswahl. Von mehr als 300 Bewerbern wurden nur die besten Kandidaten genommen. Es gibt eine lange Warteliste. Wer dreimal infolge mitmacht, muss ein Jahr aussetzen.

Das kommt beim Publikum so gut an, dass bereits in der ersten Stunde am Samstag 1000 Besucher in die Halle strömten. „Das hatten wir noch nie“, sagt Weiß. Auch den Kuratoren von ruangrupa gefiel das. Sie haben viel gekauft, wie Omari verriet.

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