Rückgang der Artenvielfalt

Kaum noch Vögel: Alarmierendes Ergebnis von Beobachtungen in der Dönche

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Sie ist laut Nabu in der Kasseler Dönche komplett verschwunden: Die Rohrammer.

Kassel. Der Frühling nähert sich erschreckend leise, ja manchmal gar still. Es sind auffällig weniger Vogelstimmen zu hören als in früheren Jahren.

Mitglieder des Naturschutzbundes Nabu in Kassel wundert das nicht. Sie beobachten den Rückgang des Vogelbestandes und der Arten seit Jahren. 

Vogelbestand in der Dönche untersucht

Im vergangenen Jahr haben die Nabu-Mitglieder insbesondere den Vogelbestand im Naturschutzgebiet Dönche untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen. Sowohl bei den Arten als auch der Anzahl der Vögel haben die Nabu-Mitglieder einen „extremen Rückgang“ festgestellt. Verschwunden sind zum Beispiel Feldlerchen, Wiesenpieper und Rebhühner. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen sind aussagekräftig, da sie mit Bestandserfassungen der Jahre 1978 und 1981 verglichen werden können. Zwar erklärten sich der Rückgang und die Verschiebung des Artenspektrums auch durch eine Veränderung der Vegetation in der Dönche. Doch seien die Veränderungen in Hessens größtem innerstädtischen Naturschutzgebiet exemplarisch für einen unheimlichen Rückgang der Vogelarten, der seit Jahren von Fachleuten beklagt wird. 

„Vögel sind ein Bio-Indikator“, sagt Uffe Fokken, der den Lebensraum Dönche seit Jahrzehnten intensiv beobachtet. „Vor allem hat sich der europaweit zu beobachtende allgemeine Rückgang der Artenvielfalt auch in der Dönche unübersehbar ausgewirkt“, betont Günter Boller. 

Allein in der Dönche seien im Jahr 2016 nur noch 53 Brutvogelarten festgestellt worden, davon jedoch nur sechs, die vermutlich tatsächlich brüten. 1981 waren noch 59 Brutvogelarten gezählt worden. Auch damals waren bereits viele Arten verschwunden. Die Ursachen seien vielfältig: Intensive Landwirtschaft, häufiges Mähen der Wiesen, sowie Pflanzenschutz- und Düngemittel, die auch zu einem dramatischen Rückgang von Insekten (der Lebensgrundlage vieler Vögel) führen, sind die wichtigsten.

Die Vögel machen sich rar, aber offenbar ist der Biber im Kreis Kassel wieder daheim. Vermutlich gibt es mehrere Biber im Areal des Naturschutzgebietes Waldauer Kiesteiche.

Dönche ist Naturschutzgebiet in Kassel

Die Dönche in Kassel ist ein 270 Hektar großes Gebiet aus unterschiedlichen Landschafts- und Vegetationsformen. 173 Hektar davon sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen – das größte innerstädtische Naturschutzgebiet in Hessen. Bis 1936 wurde die Dönche als Acker-, Weide- und Gartenland genutzt. Von 1936 bis 1975 befand sich im Kerngebiet ein Truppenübungsgelände. Am Ende der militärischen Nutzung war die Dönche im Wesentlichen ein von einigen Hecken durchsetztes Offenland. In den vergangenen 30 Jahren haben sich trotz der Nutzung als Weideland zum Beispiel durch Schafe Hecken und Pionierwäldchen stark ausgebreitet. Auf den noch offenen Flächen haben sich hohe, dichte und meist stark verfilzte Gräser ausgebreitet. Was nach Einschätzung des Naturschutzbundes mit dazu geführt hat, dass Insekten stark abgenommen haben. Zudem sind viele ehemalige Feuchtbiotope (meist Tümpel in den zahlreichen Bombentrichtern) ausgetrocknet. Unterdessen gibt es Bemühungen, dass wieder mehr Wasser über den Dönchebach und den Nordshäuser Mühlgraben in die Dönche strömt. Die Veränderungen in der Vegetation der Dönche haben auch zu einer Verschiebung im Artenspektrum der Vogelwelt geführt.

Nabu in Kassel

Dem Naturschutzbund (Nabu) in Kassel gehören rund 550 Mitglieder an. Sie bieten ehrenamtlich unter anderem kostenlose Vorträge und naturkundliche Wandungen an. Und sie pflegen und schützen unter anderem die Vogelinsel in der Fuldaaue und die Dönche. An der Bestandserfassung der Vogelwelt in der Dönche haben aktiv sechs Mitglieder monatelang mitgearbeitet.

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