Erinnerungen von Anneliese Damm: Dönchegeist gehörte dazu

Familienbetrieb: August und Anna Garbe mit ihrer Tochter Anneliese um 1942. Fotos: Repro/nh

Kassel. Wer kennt es noch, das Dönchelager im heutigen Stadtteil Bad Wilhelmshöhe? „Die, die davon noch was wissen, werden ja immer weniger“, sagt Anneliese Damm, geborene Garbe. Darum möchte die 87-Jährige die Erinnerung an das Barackenlager lebendig halten.

„Es ist ja Teil der Geschichte unseres Stadtteils“, sagt sie. Der Eingang zu dem 1935/36 von der deutschen Wehrmacht errichteten Dönchelager war in der heutigen Ahrensbergstraße. In dem Lager war ein Ergänzungsbataillon des Infanterieregiments 15 stationiert, erzählt Anneliese Damm. „Hier wurden die sogenannten Acht-Wochen-Soldaten ausgebildet“, sagt sie.

Auf dem Gelände hätten sich ein Verwaltungs- und Hausmeistertrakt, die Mannschaftsbaracken, die Wirtschafts- und Sanitätsbaracke, ein Casino und ein Appellplatz befunden, erzählt sie. Sie erinnert sich auch an den kleinen Teich mit der Reiherfigur. „Trat man davor auf eine bestimmte Steinplatte, spritzte aus dem Schnabel Wasser“, erzählt sie.

Lange her: Anneliese Damm hat viele Erinnerungen ans ehemalige Dönchelager. Foto: Oschmann

Dass Anneliese Damms Erinnerungen an das Dönchelager so intensiv sind, hat einen ganz besonderen Grund. Sie ist die Tochter des Mannes, der im Dönchelager die Kantine betrieb: August Garbe. Zusammen mit seiner Frau Anna, Tochter Anneliese und und dem Koch, Herrn Lotz, sorgte er für das leibliche Wohl der Soldaten. Dadurch hatte Anneliese Damm den Einblick ins Leben des Lagers, das Außenstehende nicht betreten durften, wie sie berichtet.

Anneliese jedenfalls half eifrig mit, zum Beispiel an der Kasse und beim Bierzapfen. „Bei uns gab es kleine Mahlzeiten wie strammen Max, belegte Brötchen und Cremeschnitten für zehn Pfennige“, berichtet sie. Außerdem verkaufte die Familie Garbe Zigaretten, Zahnpasta, Schuhcreme und andere kleine Gebrauchsartikel.

In der Kantine stand ein Klavier, mit dem für Unterhaltung gesorgt wurde. Und dies vor allem bei den vielen Feiern, die jede Kompanie aber für sich veranstaltete, erläutert die Seniorin.

Heiß begehrt war der „Dönchegeist“, ein geheimnisvoller, verdünnter Orangenextrakt, der auch in einem speziellen Glas serviert wurde, erinnert sich Anneliese Damm. Gerstensaft lieferte die Brauerei Kropf in großen Fässern mit dem Pferdefuhrwerk an, erzählt sie.

Blick auf das ehemalige Dönchelager: Es wurde 1935/36 an der heutigen Ahrensbergstraße erbaut und beherbergte ein Ergänzungsbataillon des Infanterieregiments 15. Foto: Repro/nh

Gleich zu Beginn des Krieges im Herbst 1939 wurde August Garbe, Berufssoldat, eingezogen. Jetzt führte Mutter Anna, die aus einer Korbmacherfamilie stammte, die Kantine allein - zusammen mit Tochter Anneliese, die die Berufsschule besuchte. „Bei Fliegeralarm rannten wir in den Bunker im Panoramaweg“, erinnert sich Anneliese Damm. Am 8. März 1945 zerstörte eine Luftmine die Wirtschaftsbaracke, erzählt sie.

Nach dem Krieg wurden die erhaltenen Gebäude des Dönchelagers noch einige Zeit als Wohnraum genutzt, heute ist das Gebiet bebaut.

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