Gutachten wird vorgestellt 

Dönche: Klimawandel ist eine Ursache für die Austrocknung

Idyllisch: Bäche mäandern durch die Dönche und bieten zahlreichen Tieren einen Lebensraum.

Kassel. Umweltschützer und Freunde der Dönche sind seit einiger Zeit besorgt und schlagen Alarm: Die Dönche trocknet aus. Ein Gutachten zur Oberflächenwassersituation im Naturschutzgebiet belegt jetzt, dass vor allem eine zeitliche Verschiebung der Niederschläge die beobachtete Austrocknung verursacht.

Das Gutachten, das die Stadt Kassel und das Regierungspräsidium für 15 000 Euro in Auftrag gegeben haben, soll die Gründe für die Trockenheit im größten innerstädtischen Naturschutzgebiet Deutschlands aufzeigen. Am 16. September, 19.30 Uhr, wird es im Bürgerhaus Nords-hausen vorgestellt

Naturschutz gefordert

Im Fokus der Betrachtung vor allem der Naturschutzorganisation BUND Kassel liegt indes der ökologische Zustand des Mühl- oder Dönchebachs, der in einer Senke durch das 173 Hektar große, abschüssige Gelände führt. Die Ursachen für Trockenheit lägen in der künstlichen, also menschengemachten Verknappung der Wasserzuflüsse, so der BUND. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie fordere, dass alle Oberflächengewässer und damit auch der Dönchebach in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden müssen. Hier seien die Obere Naturschutzbehörde und Wasserbehörde in der Pflicht. Schließlich sei die Dönche Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) und unterliege als solches nach europäischem Recht einem Verschlechterungsverbot. Charakteristisch für die Dönche seien die Tümpel, Hochstaudenflure, Bachläufe und Buchenbestände sowie bestimmte Vogelarten, Säugetiere und Wirbellose, insbesondere Schmetterlinge, Libellen und Wildbienen.

Neben den Bachläufen mit angrenzenden Gehölzbeständen und der Vielzahl von Tümpeln wird die Dönche geprägt durch verbuschte Weiden und Heideflächen. Sie werden durch Schaf- und Ziegenbeweidung offen gehalten, um so die Vielfalt an Lebensräumen zu sichern.

Nach Ansicht der Kasseler Grünen müsse das Gutachten zum Zustand der Dönche einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nur so könne sich die Kasseler Bevölkerung detailliert informieren und gegen die Gefährdung des Naturschutzgebietes Dönche vorgehen.

Gemeinsam müsse der Austrocknung der Dönche, das heißt der Fließgewässer, der Feuchtgebiete und der Tümpel, entgegengewirkt werden. Die Grünen wollen prüfen lassen, wie die Situation dauerhaft verbessert werden kann. Der Vorschlag, oberhalb der Konrad-Adenauer-Straße die Abflussmengen anders zu regulieren, reiche nicht aus. Der Gutachter habe im Ausschuss klar gesagt, dies alleine werde die Situation nicht verändern. „Wir könnten uns vorstellen, durch zusätzliche Versickerungmaßnahmen die Wasserführung im Dönchebach zu verbessern“, so Eva Koch, die umweltpolitische Sprecherin der grünen Rathausfraktion.

Die Zusage des Regierungspräsidiums, dass sich das Land an der Finanzierung von Maßnahmen beteiligen will, sei erfreulich, sagte Koch. Das Gutachten war aufgrund eines von den Grünen initiierten Beschlusses der Stadtverordneten erstellt worden.

Das Dönchegutachten wird Dienstag, 16. September, 19.30 Uhr, im Rahmen der Ortsbeiratssitzung Nordshausen gemeinsam mit anderen Anrainern vorgestellt: Bürgerhaus, Korbacher Straße 235.

Von Christina Hein

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