"Dönermorde": Türken in Kassel haben Zweifel an Ermittlern

Die Suche nach den Tätern scheint beendet: In diesem Internetcafé an der Holländischen Straße starb Halit Yozgat im April 2006. Er wurde durch Schüsse getötet. Foto: Fischer/Archiv

Kassel. Die Serie der Döner-Morde, bei der auch der Kasseler Halit Yozgat starb, steht offenbar vor der Aufklärung. Viele Deutsch-Türken in Kassel nehmen diese Nachricht mit Erleichterung auf.

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Freude will aber nicht aufkommen - das Opfer, so heißt es, kann niemand zurückbringen. Und es machen Spekulationen die Runde: Vielleicht steckt hinter der Mordserie doch mehr. Warum wurden die Täter nicht früher festgenommen?

Umut Öztürk (20) und Eray Ecevit (20) sitzen gestern in der Bäckerei Karagöz an der Unteren Königsstraße beim Frühstück. Sie haben schon die Trainingsjacken des FC Bosporus an. Am frühen Nachmittag muss der Erste der Fußball-Kreisliga A beim SV Harleshausen antreten.

Suayip Günler

Umut Öztürk war mit Halit Yozgat befreundet. Er schildert ihn als besonnenen jungen Mann. „Sein einziger Fehler im Leben war, dass er „zur falschen Zeit an der falschen Stelle war.“

Als Halit Yozgat am 6. April 2006 an der Holländischen Straße auf das Internetcafé aufpasste, in dem sonst oft sein Vater arbeitete, wurde er erschossen. Vermutlich aus Ausländerhass. Es war das letzte Verbrechen in der Reihe der Döner-Morde.

Zeki Demir

„Das ist lange her“, sagt Eray Ecevit. Somit war der Mord an dem Freund auch nur noch selten Thema. Nun erinnert man sich wieder - und spekuliert. „Warum haben die Ermittler so lange gebraucht, um die Täter zu fassen? Man kannte die doch schon - die Morde hätte man verhindern können.“

Auch in der türkisch-islamischen Gemeinde am Mattenberg sind Zweifel zu hören. Natürlich ist man erleichtert, dass eine mutmaßliche Täterin festgenommen wurde und die anderen tot sind - aber ist das die ganze Wahrheit? Auch hier sind die Männer misstrauisch gegenüber den Behörden: „Warum hat das alles so lange gedauert?“

Spricht man über den Mord an Halit Yozgut mit Türken, steht schnell das Thema Ausänderfeindlichkeit im Mittelpunkt. Die erlebe man oft, sagen Umut Öztürk und Eray Ecevit. Die Cousins sind wie auch ihre Eltern hier geboren, sie sprechen fließend deutsch - und dennoch werden sie auch auf den Fußballplätzen als Türken beschimpft.

Fotos: Dönermord-Serie: Der Kasseler Fall

Nazi-Mordserie: Der Kasseler Fall

Man will die Deutschen aber nicht alle in einen Topf werfen. „Wir haben viele deutsche Freunde“, sagt Umut Öztürk. Und Ausländerfeindlichkeit gebe es überall, in jedem Land, auch in der Türkei. Dort würden sie als „Touristen oder Deutsche“ bezeichnet, sagen die 20-Jährigen. „Das Wichtigste ist doch, dass wir alle Menschen sind, die sich gegenseitig respektieren sollten“.

Zeki Demir, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Mattenberg, spricht von Angst. Angst, die einige seiner Landsleute hätten, wenn sie das Wort Rechtsradikale hören. Vielleicht müsste hier der Staat noch besser aufpassen. Und für Suayip Günler vom Vorstand des SV Türkgücü, zeigt die Diskussion um die Döner-Morde, dass es noch ein Stück Weg sei bis zu einer richtigen Integration.

Von Frank Thonicke

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