Datei war auf Rathaus-Rechner gespeichert – Anwalt spricht von ein wenig Hilfe außerhalb der Dienstzeit

Doktorarbeit im Büro bearbeitet

Doktorarbeit aufgetaucht: Kai Boeddinghaus ist die komplette Version der Dissertation zugespielt worden. Foto: Ludwig

Kassel. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die Leiterin des städtischen Revisionsamtes, sie habe ihre Doktorarbeit von ihrer Sekretärin während deren Arbeitszeit bearbeiten lassen, gibt es bislang vor allem Indizien. Klar ist bislang nur, dass die Amtsleiterin Jutta Bott ihre komplette Doktorarbeit auf dem Rechner des Rathauses abgespeichert hatte. Anhand der Datei ist zu erkennen, dass diese zuletzt von einer ihrer beiden Sekretärinnen bearbeitet wurde.

Welchen Umfang diese Arbeiten hatten und ob sie während der Arbeitszeit geschehen sind, lässt sich anhand der Datei nicht nachweisen, die dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Kasseler Linken, Kai Boeddinghaus, zugespielt wurde. Die HNA-Redaktion hatte die Möglichkeit, diese Datei einzusehen, die eine über 350-seitige Doktorarbeit zur Wirkung von Macht innerhalb öffentlicher Verwaltungen enthält.

„Zusätzliche Sicherung“

Der Anwalt von Bott, Wilfried Mosebach, erklärt für seine Mandantin, diese habe ihre Dissertation in der Tat auf dem Rathaus-Server abgespeichert. Dadurch habe sie ihre Arbeit, an der sie sieben Jahre gearbeitet habe, zusätzlich sichern wollen. Die belegte Bearbeitung durch die Sekretärin erkläre sich daraus, dass diese der Amtsleiterin bei der Formatierung des Inhaltsverzeichnisses geholfen habe. Zudem habe sie ihrer Chefin beim Nachbearbeiten der Grafiken geholfen. In der Arbeit befinden sich etwa 30 Grafiken und tabellarische Darstellungen.

Hilfe bei Formatierung

„Die Arbeiten sind nach Aussage meiner Mandantin außerhalb der Arbeitszeit der Sekretärin geschehen. Das hat die Sekretärin gegenüber dem Personalamt auch bestätigt“, sagt Mosebach. Weitere Arbeiten an der Dissertation habe die Sekretärin nicht erledigt. Dass er gestern nur von einem Inhaltsverzeichnis gesprochen habe, das auf dem Rathaus-Rechner abgelegt war, habe lediglich an einem Abstimmungsfehler mit der Mandantin gelegen.

Die zweite Sekretärin von Jutta Bott, die die Vorwürfe erhoben hatte, hat eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. Darin versichert die 59-Jährige, Bott habe ihre Kollegin in einem Zeitraum von vier Wochen teilweise mehrere Stunden täglich für Formatierungsarbeiten und das Einpflegen von Grafiken in Anspruch genommen. Dies sei in der Arbeitszeit geschehen. All diese Vorgänge habe die 59-Jährige beobachtet.

Rathaussprecher Hans-Jürgen Schweinsberg teilte mit, dass sich die Stadt erst in den nächsten Tagen weitergehend zu den Vorwürfen äußern werde. Eine erste Recherche durch das Personalamt sei abgeschlossen, derzeit laufe die Bewertung der Fakten. Bott wechselt im Oktober als Stadtkämmerin nach Osnabrück.

Von Bastian Ludwig

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