Doktorspiele sind oft Tabuthema

Aufklärung für Eltern: Pro Familia in Kassel berät über kindliche Sexualität

Ansprechpartner für Eltern: Die Sexualpädagogen Diana Brencher und Dirk Wichmann sind als Berater bei Pro Familia tätig. Foto: de Filippo

Kassel. Ein Mainzer Kindergarten geriet vor einigen Wochen in die Schlagzeilen. Die Einrichtung war geschlossen worden, nachdem es immer wieder gewalttätige und sexuelle Übergriffe unter den Kindern gegeben hatte. Viele Eltern sind deshalb verunsichert und fragen sich: Sind Doktorspiele gefährlich?

In der Kasseler Beratungsstelle Pro Familia gehören Kinder- und Jugendthemen zum Beratungsalltag. Fast täglich kommen zum Beispiel Schülergruppen, um offen über Pubertät und Liebe zu reden. „Für viele Eltern ist die kindliche Sexualität hingegen ein Tabu“, sagt die Sexualpädagogin Diana Brencher. Dabei sei es extrem wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dirk Wichmann ist die Beraterin deshalb oft bei Kindergarten-Elternabenden zu Gast, um Erwachsene zu informieren.

„Kinder interessieren sich schon sehr früh für den eigenen Körper. Das ist ganz natürlich“, weiß Diana Brencher. Schon Kleinkinder berühren sich, sind neugierig und untersuchen ihren Intimbereich. Im Kindergartenalter werde das Entdecken dann auch auf andere Kinder ausgeweitet. „Wie sehe ich aus, wie siehst du aus? Solche Fragen spielen dabei eine zentrale Rolle.“

Körper-Erforschungsspiele gehören also zur kindlichen Entwicklung. „Und Eltern sollten diese Interaktionen zulassen“, rät Diana Brencher. Dabei seien allerdings Regeln wichtig. „Den Kindern muss klar sein, dass sie dem anderen nicht weh tun dürfen.“ Auch Alter und Status innerhalb einer Kindergartengruppe sollten bei allen Beteiligten in etwa gleich sein. „Sonst kann es passieren, dass überlegene Kinder ihre Macht ausnutzen.“

Um zu vermeiden, dass das eigene Kind in unangenehme Situationen gerät - zum Beispiel von einem anderen Kind zu Handlungen gezwungen wird, sollten Eltern ihr Kind stärken. „Das geht am besten, indem man es ermutigt, nein sagen zu dürfen, wenn ihm etwas unangenehm ist“, sagt Sexualpädagoge Dirk Wichmann. Das gelte für Umarmungen von Verwandten ebenso wie für Berührungen anderer Kinder. Und noch etwas sei wichtig: „Kinder müssen das Gefühl haben, dass sie mit ihren Eltern über alles reden können.“ Denn nur dann offenbarten sie sich auch bei Problemen.

Hintergrund:

Pro Familia ist eine staatlich anerkannte Beratungsstelle, die auf Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung spezialisiert ist. Zu den Schwerpunkten gehören Schwangerschaftskonfliktberatung, Beratung in der Schwangerschaft und nach der Geburt, Familienplanung, Paarberatung, Trennung und Scheidung, Gewalt in der Partnerschaft, Elternberatung und Sexualpädagogik. In der Kasseler Niederlassung, die sich seit 2009 im Vorderen Westen befindet, sind acht Mitarbeiter tätig - jeder mit einem eigenen Beratungsschwerpunkt.

Kontakt: Pro Familia Beratungszentrum Kassel, Breitscheidstraße 7, Tel. 0561/76 61 92 50. Beratungstermine werden telefonisch vergeben, die Anmeldung ist zu folgenden Zeiten besetzt: montags 9 bis 16 Uhr, dienstags 9 bis 13 und 16.30 bis 19 Uhr, mittwochs 9 bis 13 Uhr, donnerstags 9 bis 13 und 14.30 bis 18 Uhr, freitags 9 bis 13 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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