Festival-Eröffnung

Dokfest in Kassel startet im Gloria-Kino - Programm bis 26. November

Die Festival-Macher: Stehend von links: Helen Stefanie Schneider, Miryam Frickel, Carolin Ernst, Marie Kersting, Gerhard Wissner Ventura, Steffen Härtel-Klopprogge, Clemens Camphausen, Livia Theuer, Joachim Kurz, Sabine Schmidt, Rafaela Range – vorn: Charlotte Stamm, Ines Christine Geisser, Julia Pirzer und Samira Jakobi.
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Die Festival-Macher: Stehend von links: Helen Stefanie Schneider, Miryam Frickel, Carolin Ernst, Marie Kersting, Gerhard Wissner Ventura, Steffen Härtel-Klopprogge, Clemens Camphausen, Livia Theuer, Joachim Kurz, Sabine Schmidt, Rafaela Range – vorn: Charlotte Stamm, Ines Christine Geisser, Julia Pirzer und Samira Jakobi.

Endlich wieder Filmfestival-Atmosphäre in Kassel: Im Gloria-Kino wurde das 38. Dokumentarfilm- und Videofest eröffnet. 220 Filmproduktionen sind in Kinos und meist auch online zu sehen.

Kassel – Mit Vorfreude auf 220 Kinobeiträge, aber auch pandemiebedingter Vorsicht wurde am Dienstag (16.11.2021) im Gloria-Kino das 38. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest eröffnet. Da nur geimpfte oder genesene Filmfans eingelassen wurden, war es im Saal nicht so voll wie sonst üblich. Zum Plausch und Networking am Rande traf man sich vorwiegend draußen vor der Tür.

Dass Kassels vitale Filmemacherszene viel Gesprächsstoff bietet, war den Eröffnungsworten von Festivalleiter Gerhard Wissner Ventura zu entnehmen: In den meisten Kategorien wurden die Hessischen Filmpreise vor Kurzem an Produktionen aus Kassel vergeben. Ein weiterer heimischer Nominierter, der Regisseur York-Fabian Raabe, erzählte am Rand der Dokfest-Eröffnung, wie sein in Ghana und Kassel angesiedeltes Migrationsdrama „Borga“ gerade in den deutschen Arthouse-Kinos durchstartet.

Plauderei mit Film-Durchstarter: Oliver Eichholz und Markus Braband (von links) im Gespräch mit Regisseur York-Fabian Raabe über dessen Filmerfolg „Borga“.

Nicht nur kreativ, auch finanziell gibt es zunehmend Rückenwind für Filmkultur made in Kassel. Die Agentur Hessenfilm halte das Dokfest für „absolut förderwürdig“ und werde ihre Unterstützung perspektivisch von 200 000 auf 300 000 Euro heraufsetzen, kündigte Hessenfilm-Geschäftsführerin Anna Schoeppe an. Und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle stellte in Aussicht, dass die mehr als verdreifachte Förderung für den Filmladen anlässlich des 40-jährigen Bestehens dieser Keimzelle Kasseler Kinokunst sowie des Festivals keine einmalige Zuwendung gewesen sein solle.

Viel Grund zur Zuversicht eigentlich – wenn nur die Pandemie nicht wäre. Man könne ja nicht nur die ganze Zeit über Viren reden – es gebe ja auch noch Bakterien und Pilze, witzelte Clemens Camphausen, der die Veranstaltung mit gewohnt schalkhafter Schlagfertigkeit moderierte und damit auch das Programm der Eröffnungsfilme umriss: ein Trickfilm von Karolin Twiddy über den Mikrokosmos plastikmüllfressender Bakterien, ein Statement der britischen Videokünstlerin Anna Ridler, die das Wachstum von Viren mit kapitalistischer Bitcoin-Spekulation in Beziehung setzt, sowie den Langfilm „The Mushroom Speaks“ von der Schweizerin Marion Neumann.

Das ist eine dokumentarische Reise in die verborgene Welt der Pilze und stellt Menschen vor, die sich als Aktivisten, Heilkundler, Forscher oder Naturburschen den besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften dieser im Erdreich vernetzten Lebewesen widmen. Die Zuschauer erfahren, dass es dabei zwischen dem schnöden Champignon auf der Pizza und psychedelischen Pilzverzehr-Experimenten noch einen weit größeren Kosmos zu entdecken und erforschen gibt.

Dazu wieder Camphausen mit Augenzwinkern: Die Eröffnungsgäste, darunter viele bekannte Gesichter aus Kassels Kulturszene, seien im Kinosaal sicher vor Corona, weil man mit OB Geselle die Notfallzulassung eines „Ghost-Boosters“ auf Pilzbasis erwirkt habe, welcher über die Lüftungsanlage eingeblasen werde – psychoaktive Wirkungen nicht ausgeschlossen.

Man mochte es fast glauben angesichts der gewonnenen Erkenntnisse über Pilz-Wunderkräfte und der euphorischen Stimmung zum Festivalstart. Die sphärischen Begleitklänge vom Ambient-Duo Bernhard Hollinger und Markus Homeier weckten auch akustische Assoziationen zum Sprießen von Pilzen.

Wer in der Festivalwoche befürchtet, dass in den Kinosälen trotz guter Belüftung auch Viren sprießen könnten, kann sich die meisten Filme bis zum 26. November auch online ansehen. Die Vorstellungen in Präsenz dauern bis zum 21. November. (Axel Schwarz)

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