Ende der Förderung befürchtet

Donald Trump könnte SMA das US-Geschäft vermasseln

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Wechselrichter für die Welt: Wenn SMA sein US-Werk schließt, soll der dortige Markt von Niestetal und Kassel aus bedient werden. Unser Archivfoto zeigt Carsten Muschack im Versand. 

Niestetal. Über dem Niestetaler Solartechnik-Hersteller SMA brauen sich dunkle Wolken zusammen. Der künftige US-Präsident Donald Trump will die Energiewende zurückdrehen.

Das hätte fatale Folgen für SMA. Denn das TecDax-Unternehmen erzielt fast die Hälfte seine Umsatzes von 900 bis 950 Millionen Euro in Nordamerika. Ein Nachfragerückgang würde den Marktführer SMA mit voller Härte treffen.

Donald Trump, der nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegen die Erneuerbaren Energien gemacht hat, hat angekündigt, künftig stärker auf Erdöl und Kohle setzen zu wollen. Unklar ist, ob er die Steueranreize für die Installierung von Solartechnik streichen wird.

SMA-Sprecherin Susanne Henkel erklärte auf Anfrage, dass man abwarten müsse, wie sich die Lage in den USA entwickle und verwies darauf, dass Solarstrom insbesondere im Süden der Staaten auch ohne staatliche Förderung bereits wettbewerbsfähig sei. Im übrigen könne der künftige Präsident nicht alles allein entscheiden. In vielen Dinge brauche er die Zustimmung des Kongresses.

Bereits bei Vorlage der Neunmonatszahlen vor zwei Wochen hatte SMA-Vorstandssprecher Pierre Pascal-Urbon auf die Unwägbarkeiten für die Erneuerbaren nach der Trump-Wahl hingewiesen. Nun scheint sich zu bewahrheiten, was viele befürchten: die Abkehr der USA von der Energiewende.

Pierre-Pascal Urbon

Unabhängig davon ist SMA im Boom-Markt Nordamerika kräftig unter Druck geraten. Grund ist die chinesische Konkurrenz, die den US-Markt mit Wechselrichtern zu Dumping-Preisen fluten. Diese Geräte wandeln den in Solaranlagen gewonnen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom um und bilden das Herzstück von Fotovoltaik-Anlagen und solaren Kraftwerken.

In China sind in den vergangen Jahren große Produktionskapazitäten entstanden. Weil die Regierung die Solarförderung Anfang dieses Jahres zurückgefahren hat, drücken die Hersteller ihre Erzeugnisse mit Macht in die Exportmärkte, vor allem in die USA. SMA hat bereits im Sommer auf diese Entwicklung reagiert und die Schließung seines Fertigungsstandorts in Denver in den USA angekündigt. Etwa 300 Beschäftigte verlieren ihre Jobs.

Vor allem auch wegen der Marktentwicklung in den USA hat SMA unlängst seine Ergebnisprognose auf 60 bis 70 Millionen Euro vor Steuern (Ebit) nach unten korrigiert. Bislang war ein Ebit von 80 bis 120 Mio. Euro erwartet worden.

Die Aktie kümmerte die aktuelle Entwicklung kaum. Im Gegenteil: Sie legte am Dienstag um fast zwei Prozent auf 22 Euro zu. Binnen Jahresfrist hat sie aber 55 Prozent an Wert eingebüßt.

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