Kraftsportler handelte mit Testosteron: Mildes Urteil

Kassel. Ein 23-jähriger Mann aus dem Landkreis Kassel, der sich am Montag wegen Testosteron-Handels zu Dopingzwecken vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten musste, ist beim Strafmaß glimpflich davongekommen.

Ihn ereilten weder Gefängnis noch Jugendarrest – stattdessen lautete das Urteil auf Schadenswiedergutmachung: Der junge Mann verzichtete auf sein beschlagnahmtes Auto einer bayrischen Luxusmarke.

Im Gegenzug beendete das Gericht das Verfahren auf schnellem Wege ohne Beweisaufnahme, sprich Anhörung der fünf geladenen Zeugen. Voraussetzung freilich war, dass der 23-Jährige die ihm zur Last gelegten Straftaten vollständig gestand.

Ursprünglich hatte die Anklage dem jungen Mann vorgeworfen, dass er sich zwischen Februar und Dezember 2012 sechs Einzelpakete mit insgesamt 6000 Ampullen Testosteron hatte zuschicken lassen, um die gesundheitsschädigenden Anabolika gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Zu dieser Zeit, schilderte der hochgewachsene junge Mann mit dem muskulösen Körperbau auf der Anklagebank, habe er selbst vier, fünfmal die Woche Kraftsport im Studio betrieben. Schon mit Zwölf sei er als Reaktion auf Hänseleien in der Schule zum Kampfsport gekommen, mit 17 habe er dann Gewichte gestemmt. In diesem jugendlichen Alter begann er, wie er freimütig erzählte, selbst mit der Einnahme von Arzneimitteln zum Muskelaufbau. Sein Berufstraum damals: professioneller Bodybuilder.

Dass der damals 20-Jährige die georderten Mengen an Testosteron zum Eigengebrauch bezogen haben könnte, glaubte Vorsitzender Richter Grund von vorneherein nicht. Vielmehr habe der Angeklagte durch den verbotenen Weiterverkauf der gesundheitsschädlichen Dopingmittel an seinen Bodybuilder-Freundeskreis Kasse gemacht: zwischen 15 000 Euro und 18 000 Euro, rechnete der Richter dem jungen Mann vor. Weil der Beschuldigte glaubhaft machen konnte, dass es statt sechs nur vier Paketsendungen mit der entsprechenden Gewichtsangabe von je 1000 Ampullen waren, beschränkte sich die Staatsanwaltschaft auf diese Anklagevorwürfe – was am Urteil ohnehin nichts änderte.

Strafmildernd rechnete das Gericht dem jungen Mann einen „verzögerten Reifungsprozess“ zum Zeitpunkt der Tat an. Da er noch nicht 21 Jahre alt war, fiel das Urteil vor dem Hintergrund des Jugendstrafrechts. Den Weg ins Erwachsenenleben habe der Angeklagte inzwischen erfolgreich gemeistert, stellte Richter Grund heraus: Er holte sein Fachabitur nach und studiert mit besten Noten. (ptr)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.