Ab Dezember auch in der Königsstraße

60 Meter lang: Stadt setzt auf Doppeltram

+
60 Meter Straßenbahn an der Haltestelle Königsplatz: Stadt und KVG wollen ab Dezember dieses Jahres auf der überlasteten Straßenbahnlinie 1 Doppeltrams fahren lassen. Zu der viel kritisierten Doppeltraktion gebe es keine Alternative, erklärt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne).

Kassel. Auf der Straßenbahnlinie 1 werden ab Dezember 60 Meter lange Doppeltrams rollen. Die Stadt und die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) sehen keine andere Möglichkeit, den Fahrgast-Ansturm auf der Linie 1 zu bewältigen, bekräftigt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne).

In der jüngsten Sitzung des Stadtverordneten-Ausschusses für Stadtentwicklung, Mobilität und Verkehr berichtete Nolda über die von den Stadtverordneten geforderte Prüfung, ob es andere Möglichkeiten gibt, die Kapazitätsprobleme der Linie 1 zu lösen. Doch nur mit dem Straßenbahn-Doppelpack könnten schnell und preisgünstig Verbesserungen erreicht werden, sagte Nolda.

Lesen Sie auch

Verkehrsplaner im Interview: "Doppeltrams sind eine Chance"

Öfter mit zusätzlichen Einsatzwagen zu fahren, sei zu teuer für die KVG, weil mehr Fahrer gebraucht würden. Der Kauf von Straßenbahn-Anhängern dauere zu lange und verursache zusätzliche Kosten. „Auch ein günstiger Anhänger ist teurer als eine Straßenbahn, die ich schon habe“, erklärt Nolda. Die Straßenbahn-linie 8 zur Verstärkung auf die Holländische Straße zu verlegen und stattdessen zusätzliche Regiotrams auf der für diese Züge bereits umgebauten Leipziger Straße fahren zu lassen, wird von der KVG wegen ungünstiger Taktzeiten abgelehnt. Die Doppeltrams sind umstritten, weil sie auf der etwa 17 Kilometer langen Linie 1, die zwischen Bergpark Wilhelmshöhe, Innenstadt, Uni-Standort Holländischer Platz und Vellmar fährt, auch durch die Königsstraße rollen und dort als Barriere für den Fußgängerverkehr gelten. Bei den Doppelpack-Fahrten auch durch die Königsstraße soll es laut Nolda bleiben.

Probleme mit langen Straßenbahnzügen

Die CDU-Rathausfraktion sieht Probleme mit den langen Straßenbahnzügen und hält den Umbau der Holländischen Straße für Verschwendung, erklärte Wolfram Kieselbach. Stadtverordneter Bernd W. Häfner (Freie Wähler) erinnerte daran, dass bei den Doppeltrams wegen zu kurzer Haltestellen nicht an jeder Tür ein bequemer Einstieg möglich sei.

Linken-Fraktionschef Norbert Domes kritisierte die Doppeltrams. Mehr Einsatzwagen auf der Linie 1 seien wesentlich kundenfreundlicher, und eine Lösung durch Anhänger sei preisgünstiger, weil ein Beiwagen nur ein Bruchteil einer kompletten Straßenbahn koste.

Hintergrund

Holländische Straße muss für 2,5 Millionen Euro umgebaut werden:Zum Fahrplanwechsel im Dezember will die KVG auf der Linie 1 gekoppelte Trams einsetzen (Doppel-Traktion). Damit soll die Kapazität auf der sehr stark genutzten Strecke erhöht werden. Zu Stoßzeiten müssen an den Haltestellen Fahrgäste zurückbleiben, weil sie nicht mehr in die Tram passen. Insbesondere im Bereich des Uni-Campus am Holländischen Platz reicht der Platz in den Bahnen schon länger nicht mehr aus.

Zusätzlich werden Regiotrams der Linien 3 und 4 über die Holländische Straße geführt. Dafür sind Umbauten nötig. Die beiden Haltestellen Hegelsbergstraße und Halit-Platz (Mombachstraße) müssen auf 60 Meter verlängert werden, damit dort die Doppel-Straßenbahnen und die Regiotrams Platz haben. Außerdem muss der Gleiskörper in der Holländischen Straße verbreitert werden, damit die breiteren Regiotram-Züge aneinander vorbei passen. Die Fahrbahnen sollen verbreitert werden, damit zwei Lkw nebeneinander fahren können. Deshalb werden Gehwege schmaler, und es müssen elf Bäume weichen. Der Umbau der Holländischen Straße kostet.

Von Jörg Steinbach

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.