Was Doppeltrams bringen sollen - Fragen und Antworten

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Was Doppeltrams bringen sollen - Fragen und Antworten

Kassel. In Zukunft sollen bis zu 60 Meter lange Straßenbahnen durch die Kasseler Fußgängerzone fahren. Hier Fragen und Antworten zu diesem Thema:

Die Prüfung der Pläne zum Umbau der Holländischen Straße und den Doppeltrams in der Innenstadt durch die städtischen Ämter steht erst am Anfang. Bei der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) ist das Vorhaben aber schon zwei Jahre lang gereift.

Wir fassen einige Fragen und die Antworten der Verkehrsgesellschaft zusammen:

Welchen Vorteil sollen die Doppeltrams bringen?

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Die KVG erwartet sich davon eine deutliche Entspannung der Lage auf der Holländischen Straße. Dort sind die Bahnen durch die vielen Fahrgäste von der Universität und aus Vellmar häufig überfüllt. Auch die Verstärkerlinie 1E - eine zusätzliche Bahn in den Spitzenzeiten - löse das Problem nicht.

Die Doppeltrams haben zwar nicht mehr Platz, aber es kommen auf einen Schlag mehr Menschen von der Haltestelle weg. Es sollte niemand mehr zurückgelassen werden. „Für unsere Fahrgäste, aber auch die Fahrer, bedeutet das weniger Stress“, sagt KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert.

Wird das für die Probleme auf der Holländischen Straße ausreichen?

Nein. Eine endgültige Entlastung soll es erst geben, wenn auch die Regiotram-Linien 3 (Hofgeismar) und 4 (Wolfhagen) ab Ende 2013 bis zum Holländischen Platz fahren. „Das ist dann eine echte Kapazitätsverstärkung“, sagt Ebert.

Was wird das alles insgesamt kosten?

Damit Straßenbahnen in Doppeltraktion - so der Fachausdruck für zwei gekoppelte Züge - und die Regiotram bis zum Holländischen Platz fahren können, müssen die Haltestellen Mombachstraße und Hegelsbergstraße auf 60 Meter verlängert und der Gleiskörper entlang der Holländischen Straße verbreitert werden. Das soll knapp zwei Millionen Euro kosten. Der Wegfall der Verstärkerlinie 1E werde aber die Personalkosten deutlich reduzieren, weil ein Fahrer weniger benötigt wird, heißt es bei der KVG.

Warum können die Doppeltrams nicht um die Königsstraße herumfahren?

Die Erfahrung habe gezeigt, dass Bahnen, die über Lutherplatz und Ständeplatz fahren, deutlich schlechter ausgelastet sind - insbesondere wenn auf derselben Linie Bahnen durch die Fußgängerzone fahren.

„Wir müssten dann schon die Linien 1 und 5 gemeinsam aus der Innenstadt herausnehmen“, sagt Ebert. Das komme aber nicht infrage, weil die Fahrgäste nun mal mitten in die City wollten. Ebert: „Wir können und wollen unsere Kunden nicht erziehen.“

Heute fahren häufig zwei Straßenbahnen hintereinander durch die Königsstraße. Wird es das auch mit den 60 Meter langen Doppeltrams geben, sodass sich eine Wand, so lang wie ein Fußballfeld, durch die Fußgängerzone bewegt?

Nach Angaben der KVG wird der Abstand zwischen den Bahnen in der Königsstraße durch den Einsatz der Doppeltram wachsen, weil die Verstärkerlinie 1E wegfällt. Dadurch wird der Takt auf den Linien 1 und 5 während der Stoßzeiten von fünf auf 7,5 Minuten steigen.

„Wir reduzieren die Anzahl der Fahrten und glauben, dass dadurch auch mehr Abstand zwischen den Bahnen sein wird“, sagt Ebert. Allerdings sollen ab Ende 2013 auch die Regiotram-Linien 3 und 4 im 15-Minuten-Takt über die Königsstraße fahren.

Gibt es keine Alternative ohne lange Bahnen in der Innenstadt?

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren ein gutes Dutzend Varianten geprüft“, sagt Ebert, „aber es gibt keine einfache Lösung.“ Alle anderen Überlegungen seien verworfen worden, weil sie weitere Schwierigkeiten schaffen oder nicht alle Probleme lösen.

Denn nicht nur auf der Holländischen Straße werde die zusätzliche Kapazität benötigt, sagt Ebert. Auch auf der Wilhelmshöher Allee seien die Straßenbahnen teilweise überlastet. Das lasse sich nur durch mehr Platz auf der Linie 1 lösen.

Von Marcus Janz

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