54-Jähriger führt Bergbaukonzern

Dr. Burkhard Lohr ist neuer K+S-Vorstandschef

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Ab heute führt er als Vorstandschef die Geschäfte beim Kali- und Salzproduzenten K+S: Dr. Burkhard Lohr (54).

Kassel. Burkhard Lohr hat Ausdauer. Das hat der sportliche 1,93-Meter-Mann, der heute Norbert Steiner als Vorstandschef des Kasseler Kali- und Salzproduzenten beerbt, schon 100-fach bewiesen. Ein Portrait.

Den langen Atem wird der gebürtige Essener, der in Kassel und Haltern am See unweit von Recklinghausen wohnt, bei seinem neuen Job gebrauchen können. Denn die Probleme des einzigen deutschen Bergbaukonzerns von Weltrang sind ebenso groß wie dessen Perspektiven.

„Ich weiß, es wird kein einfacher Job. Aber ich freue mich darauf“, sagte der verheiratete Vater zweier Kinder unlängst. Der bekennende Borussia-Dortmund-Fan, der in jungen Jahren als Hochspringer glänzte und sowohl im 110-Meter-Hürden- als auch im 100-Meter-Staffellauf noch heute Essener Stadtmeister ist, weiß, wovon er spricht. Er kam vor fünf Jahren als Finanzchef zum Kasseler MDax-Konzern und hatte genügend Zeit, sich mit den Besonderheiten des Bergbaus und des strengen Bergbaurechts auseinanderzusetzen.

Vorgänger Norbert Steiner hat ihm zwar ein weitgehend geordnetes Haus hinterlassen. Die Entsorgung großer Mengen von Salzabwasser, das in der Produktion anfällt und permanent aus den riesigen Abraumhalden sickert, ist aber noch nicht abschließend gelöst.

Eine große Herausforderung: Geld verdienen trotz niedrigem Kalipreis

Die Verpressung in den Untergrund – neben der Einleitung in die Werra der zweite Entsorgungsweg – ist stark eingeschränkt und zudem ein Auslaufmodell. K+S hat in den vergangenen Jahren zwar 400 Millionen Euro in neue Produktionsanlagen gesteckt, die die Salzwassermengen ab dem kommenden Jahr drastisch reduzieren, aber weitere Anstrengungen sind nötig, um die Umweltbelastungen weiter zurückzufahren.

Um die auch künftig hohen Umweltinvestitionen zur Sicherung der deutschen Standorte stemmen zu können, muss K+S Geld verdienen, was angesichts des niedrigen – aber immerhin leicht steigenden – Kalipreises anspruchsvoll bleibt. Lohr, der in Köln Betriebswirtschaft studiert hat und in Braunschweig in Staatskunde promovierte, ist Herausforderungen gewohnt. Von 2006 bis zu seinem Wechsel nach Kassel war er Finanzchef des Baukonzerns Hochtief und ab 2008 zusätzlich Arbeitsdirektor. In dieser Zeit musste er hautnah die feindliche Übernahme des einstigen Branchenprimus in Deutschland durch den spanischen ACS-Konzern erleben – keine einfache Zeit für den heute 54-jährigen Manager.

Experten bescheinigen ihm, eine neue Ära beginnen zu können

Helfen könnte Lohr und dem K+S-Konzern absehbar die neue Kali-Mine in Kanada, die unlängst den Betrieb aufgenommen und bereits im kommenden Monat die erste Tonne Kali ausliefern wird. Mit niedrigen Produktionskosten will K+S der starken nordamerikanischen Konkurrenz auf dem eigenen Kontinent, aber auch in Asien Paroli bieten und schon bald einen wichtigen Beitrag zum Konzernergebnis leisten.

Branchenkenner trauen Lohr zu, K+S in eine neue Zeitrechnung zu führen. Dazu muss er die gesamte Belegschaft mitnehmen und Kritiker besänftigen. Sein offener Umgang auch mit Problemen, seine Art auf Menschen zu- und einzugehen, sein kommunikatives Talent und seine Teamfähigkeit werden ihm dabei helfen.

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