Frau erlitt schwere Beinverletzung - Aufruf mobilisierte Spender für seltene Blutgruppe

Drama in den Flitterwochen - „Ohne Blutkonserven wäre ich gestorben“

Die verunglückte Frau - hier mit Ehemann (links) - wird unter anderem von Dr. Goetz Andreas Giessler (rechts), Direktor der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie, behandelt. Foto: Hein

Kassel. „Ohne Blutkonserven wäre ich gestorben“, sagt die junge Frau in ruhigem Ton: „Ich stand echt auf der Kippe.“ Die 30-Jährige aus dem Landkreis Kassel, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat einen Albtraum hinter sich und muss den schweren Unfall auf den Malediven, bei dem sie fast ihren linken Unterschenkel verloren hätte, erst noch verarbeiten.

Trotzdem ist sie voller Dankbarkeit: dass die Ärzte nach neun komplizierten Operationen ihr Bein gerettet haben. Vor allem aber, dass sich nach einem Aufruf ihres Ehemanns Menschen gemeldet haben, um Blut für sie zu spenden. Neben vielen Erschwernissen nach dem Unfall im Urlaubsparadies hatte sich nämlich herausgestellt, dass im maledivischen Krankenhaus keine Blutkonserven mit ihrer Blutgruppe A negativ vorhanden waren.

„Dass die selten ist, weiß ich“, sagt die zierliche Frau. Ebenso wie ihr Mann ist sie regelmäßige Blutspenderin, wenn vom gemeinsamen Arbeitgeber, dem Finanzamt in Kassel, Blutspendeaktionen organisiert werden. „Die vom Blutspendedienst jubeln immer, wenn ich komme.“ Jetzt hat sie selber zehn Blutkonserven bekommen, insgesamt fünf Liter Blut. „Ihr gesamtes Blut ist quasi zweimal ausgetauscht worden“, sagt Dr. Manfred Raible, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädischen Chirurgie am Kasseler Klinikum.

Das Unglück ereignete sich am 1. Juni, „nachdem wir sechs Tage im Paradies erlebt hatten“, erzählt der 28-jährige Ehemann. Eine Woche nach der Hochzeit war das Paar in die Flitterwochen gestartet. Ein Programmpunkt: ein Tauchkurs. Der dritte Tauchgang im 2,50 Meter tiefen Wasser nahe der Küste endete fatal. Von einem nahe gelegenen Steg war plötzlich völlig unvorhergesehen ein Motorboot gestartet, just in dem Moment, als die junge Frau auftauchte. Durch einen Sog gerieten ihre Beine in die Schiffsschraube, wobei der linke Unterschenkel zertrümmert wurde.

Zunächst galt es, das Leben der Nordhessin zu retten, denn der Blutverlust auf dem fünfstündigen Transport, bis sie in einem Krankenhaus in Malé, der Hauptstadt der Malediven, behandelt werden konnte, war groß. Die Hiobsbotschaft lautete jetzt: Es gibt keine Blutbank in der Klinik. Weil die Blutgruppe der Verunglückten zudem selten ist, startete ihr Mann mit einem Hotelangestellten Aufrufe im Radio und im Internet. Mit Erfolg: Acht Einheimische spendeten ausreichend Blut. „Anschließend gingen sie in die Moschee und haben für mich gebetet“, erzählt die junge Frau: „Ohne diese Menschen hätte ich nicht überlebt.“

Zu Hause ist das Trauma nicht vorbei: Im Klinikum wird der „offene Trümmer-Defekt-Bruch des Unterschenkels“ von Teams von Dr. Raible sowie von Prof. Dr. Goetz Andreas Giessler, Direktor der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie, behandelt. Ihnen gelingt es in zwölfstündiger OP das Bein zu retten. Hierfür waren nicht nur umfangreiche Osteosynthesen, also Knochenzusammenfügungen, nötig, sondern auch Transplantationen von Knochen, Muskeln und Haut aus dem Schulterbereich der Patientin. Archivfoto: nh

Von Christina Hein

Video: So funktioniert Blutspenden

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