27-Jähriger mit Rückfall nach acht Tagen

Drei Jahre Haft für Drogenhändler

Kassel. Es dauerte gerade einmal eine gute Woche. Zwei Jahre lang hatte der Angeklagte wegen Drogendelikten hinter Gittern gesessen, dann war er auf Bewährung in eine Alkoholtherapie entlassen worden. Und als ihn schließlich auch die Fachklinik entlassen hatte, fuhr er nach acht Tagen in die Niederlande und kaufte mindestens zwei Kilogramm Amphetamine. Um das Speed in Nordhessen zu verticken.

Wegen dieser und zweier weiterer Beschaffungstouren muss der 27-Jährige nun erneut ins Gefängnis: Am Mittwoch verurteilte ihn das Kasseler Amtsgericht zu drei Jahren und zwei Monaten Haft. Außerdem droht ihm, dass er den Rest seiner alten Freiheitsstrafe absitzen muss: Elf Monate davon waren noch offen, als ihm die Bewährungschance gewährt wurde. Gegen die er dann dreimal verstieß.

Insgesamt neun Kilogramm Speed erwarb er bei einem holländischen Lieferanten, den er im Gefängnis kennengelernt hatte. In einer Wohnung am Brückenhof streckte er den Stoff mit Koffein auf rund das Doppelte, um ihn dann für 3000 Euro pro Kilo zu verkaufen. Vor Gericht machte er aus alledem keinen Hehl. „Da muss man nichts mehr zu sagen“, sagte sein Verteidiger Nikolaus Krebsbach-Noske. „Das war so. Punkt.“

Bereits als der Angeklagte vor einem halben Jahr der Polizei ins Netz ging (mit gefälschten slowenischen Ausweispapieren übrigens), hatte er ein Geständnis abgelegt. Und mit seiner Aussage dazu beigetragen, dass auch anderen Drogendealern der Prozess gemacht werden kann.

Da diese Bereitschaft zum Anschwärzen mit einem Strafrabatt honoriert zu werden pflegt, kam der Mann trotz einschlägiger Vorstrafen, der laufenden Bewährung und der enorm hohen Rückfallgeschwindigkeit noch glimpflich davon. Sonst, sagte Staatsanwalt Fabian Ruhnau, wäre der Fall wohl vor dem Landgericht verhandelt worden. Weil die maximal vier Jahre, die das Amtsgericht verhängen darf, nicht ausgereicht hätten.

Die Drogenkarriere des Angeklagten begann mit 13. Erst mit Alkohol, dann Haschisch und Ecstasy. Und als er später eine eigene Bar aufmachte, habe das in die „Totalkatastrophe“ geführt. Noch mehr Alkohol, dazu Kokain, Heroin, Speed. Und weil der Laden deshalb floppte, auch noch einen Berg Schulden.

Ob er jetzt wirklich reinen Tisch machen wollte, daran hatten Ermittler wie Gericht Zweifel. Auf zu viele Fragen blieb er die Antwort schuldig: Woher kamen die 15 000 Euro, die er für den ersten Amphetamin-Einkauf ausgegeben haben will? Wer verschaffte ihm die falschen Papiere? Gab es vielleicht noch mehr und größere Drogendeals? Dazu schwieg der 27-Jährige. (jft)

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