Prozess: Mann wollte kurz hintereinander zwei Frauen vergewaltigen

Kassel. Im Mai 2011 hatte Richter Leyhe den 41-jährigen Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, nachdem er versuchte hatte, eine Frau zu vergewaltigen. Am Montag saß der Mann nun erneut auf der Anklagebank. Die Tat, um die es ging, erschien wie eine Wiederholung.

Wieder war eine Frau auf offener Straße zum Opfer des Angeklagten geworden. Diesmal kam er nicht mit Bewährung davon: Er muss für drei Jahre und zwei Monate hinter Gitter.

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Leicht angeheitert kam die 25-jährige Studentin im Oktober 2011 aus einer Diskothek in der Innenstadt. Obwohl sie allein durch die menschenleeren Straßen lief, „fühlte ich mich sehr sicher.“ Plötzlich wurde sie umgestoßen. Ein Mann sprang wortlos auf sie. Sie rief um Hilfe. Der Angreifer legte ihr den Unterarm auf Mund und Nase, um sie zum Schweigen zu bringen. Mit der anderen Hand, gab die 25-Jährige an, griff er ihr unter den Rock. Sie schlug um sich, im Gerangel bekam sie einen Hieb auf die Nase. Irgendwann gab der Mann auf.

„Ich wunderte mich, dass er vollkommen ruhig davonschlenderte.“ Im Krankenhaus wurde ein Nasenbeinbruch festgestellt, außerdem diverse Prellungen im Gesicht. Bleibende körperliche Schäden habe sie nicht davongetragen, sagte die Studentin, doch die seelischen dauerten an. Sie habe „enorme Ängste“, wenn sie allein in ihrer Wohnung sei oder ihr auf der Straße jemand entgegenkomme.

„Was passiert ist, tut mir leid“, entschuldigte sich der Angeklagte, der die Vorwürfe teilweise einräumte. Er sei an jenem Abend zum Dart-Spielen in eine Kneipe gegangen, habe viel getrunken, eine Flasche Wodka, einige Bier und diverse Schnäpse. Rechtsmediziner Manfred Riße zog diese Angaben in Zweifel: Diese Menge hätte kein Mensch überlebt.

Der 41-Jährige gab an, er habe die Studentin, die er nach dem Verlassen der Kneipe auf der Straße traf, lediglich etwas fragen wollen. „Was, weiß ich nicht mehr.“ Da sei seine Stimmung gekippt, er habe die junge Frau zu Boden gerissen, und als sie um Hilfe rief, sei er weggelaufen. Schläge habe es gegeben, an einen Griff unter den Rock könne er sich nicht erinnern.

Das Gericht hatte jedoch an der Darstellung der 25-Jährigen keinen Zweifel. Richter Leyhe sah eine versuchte sexuelle Nötigung als erwiesen an, außerdem eine vorsätzliche Körperverletzung. Der Angeklagte sei auf Geschlechtsverkehr aus gewesen. Nur wenige Monate nach der Tat, für die er im vergangenen Jahr noch glimpflich davongekommen war, hatte er sich – in seiner Bewährungszeit – erneut an einer Frau vergriffen, deshalb wollte Leyhe nun „ein deutliches Zeichen“ setzen. (pas)

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