Worte statt Eiswasser

Drei Kasseler geben etwas andere Antwort auf „Ice Bucket Challenge“

Kassel. Gegen den Internet-Trend „Ice Bucket Challenge“ haben Michael Kuntzemann und seine Freunde, die Hip-Hop-Musiker und Brüder Black Fire und Overdose, eigentlich nichts. Sie finden gut, dass auf die Krankheit ALS aufmerksam gemacht wird. Doch das habe Ausmaße angenommen, bei dem es vielen nur um Selbstdarstellung gehe.

Darauf hat der 23-jährige Deutsch-Rapper, der wie sein Bruder nur mit seinem Künstlernamen in der Öffentlichkeit stehen will, eine etwas andere Antwort. Per Video kritisiert er auf seiner Facebook-Seite die Auswüchse der „Ice Bucket Challenge“ und schüttet einen Eimer Wasser auf den Boden anstatt über den Kopf. Daneben ist Michael Kuntzemann zu sehen, der seit 14 Jahren an ALS leidet.

Derzeit lassen sich Menschen auf der ganzen Welt dabei filmen, wie sie mit Eiswasser übergossen werden. Anschließend stellen sie die Videos mit dem Stichwort „Ice Bucket Challenge“ (übersetzt: Eiswasser-Eimer-Herausforderung) ins Internet und nominieren drei Freunde.

Nehmen diese die Herausforderung nicht innerhalb von 24 Stunden an, müssen sie für die ALS-Forschung spenden. Viele spenden, obwohl sie sich der Herausforderung gestellt haben. Doch inzwischen kursieren viele Videos, „in denen ALS gar nicht vorkommt“, sagt Black Fire. „Es wird gar nicht mehr hinterfragt, worum es eigentlich geht.“

Hier geht es zur Facebookseite mit dem Video

Auch Michael Kuntzemann hat eine klare Meinung: „Diese Heuchelei brauche ich nicht.“ Grundsätzlich lobt der 47-Jährige die Aktion. Für ALS-Kranke sieht er wenig Hoffnung. Die Krankheit sei so selten, dass es sich für die Pharmaindustrie nicht lohne Medikamente zu entwickeln, weil es zu wenig Betroffene gebe. „Es ist super, dass so viel Geld zusammenkommt“, sagt er. In den USA hat die ALS-Association in einem Monat umgerechnet fast 70 Milionen Euro an Spenden bekommen.

Kuntzemann kennt Black Fire und Overdose aus der Zeit, als er das Tanzhaus Adagio an der Eisenschmide betrieben hat. Anfang 2013 musste er den Klub wegen seiner Krankheit schließen. Der Kontakt zu den beiden Musikern blieb. Besonders schätze er, dass sie unverkrampft mit ihm umgehen und nicht ständig die Krankheit im Vordergrund stehe. Dabei leide er oft unter Schmerzen. „Ich klopfe Dir weiter auf die Schulter, auch wenn es wehtut“, sagt Overdose, Michael Kuntzemann lacht.

Von Claas Michaelis

Rubriklistenbild: © Koch

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