Drei sollen zahlen 

Mieterbund schlägt Neuregelung bei Haussanierung vor

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Franz-Georg Rips

Kassel. Eine Drittelung der Kosten für die bessere Wärmedämmung von Mietshäusern und den Einbau neuer Heizungsanlagen hat Mieterbund-Präsident Dr. Franz-Georg Rips vorgeschlagen.

Beim jüngsten Kasseler Mieterforum des Mieterbunds Nordhessen erklärte Rips, die energetische Sanierung von Häusern sei nötig, aber die derzeitige Kostenregelung gehe ausschließlich zulasten der Mieter und sei ungerecht.

Aus Umweltschutzgründen und wegen der stetig steigenden Preise für Öl, Gas, Fernwärme und Strom gilt die bessere Wärmedämmung von Wohnhäusern als Schlüssel zur Energiewende. 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude und vor allem deren Beheizung. 75 Prozent der Wohnungen in Deutschland stammen aus der Zeit vor 1979, dem Jahr der ersten Wärmeschutzverordnung, und sind gar nicht oder kaum saniert. Die Möglichkeiten zur Energieeinsparung durch fachgerechte Sanierung sind enorm. Das Problem: Mieter müssen danach eine deftige Mieterhöhung zahlen. Elf Prozent der Modernisierungskosten dürfen Vermieter auf die Jahresmiete aufschlagen. Die Mieterhöhung für eine 80 Quadratmeter große Wohnung kann dadurch bei bis zu 220 Euro monatlich liegen, rechnet der Mieterbund vor.

„Wir können nicht die Mieter zu Melkkühen der Energiewende machen“, sagt Mieterbund-Präsident Rips. Er schlägt vor, dass Vermieter, Mieter und der Staat jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen sollten. Die Vermieter hätten durch energetische Sanierung einen klaren Vorteil, der Staat habe ein Klimaschutzinteresse und müsse deshalb angemessene Zuschüsse zahlen. Auch die Mieter müssten ihren Anteil leisten, die Übernahme eines Drittels der Kosten sei nötig und könne durch niedrigere Heizkosten teilweise ausgeglichen werden.

Die Vermieter könnten mit einer solchen Regelung leben, meinte Wolfram Kieselbach, Chef des Haus- und Grundeigentümerverbandes Kassel und Gast des Mieterforums. Weitere Referenten des Mieterforums im Haus der Kirche waren Dr. Matthias Kollatz-Ahnen, Kassels Stadtbaurat und Umweltdezernent Christof Nolda (Grüne) und die Energieberaterin Stephanie Müller. Mieter seien vom Streit um die Energiewende besonders betroffen, erklärte Dr. Willi Hilfer, Vorsitzender des Mieterbundes Nordhessen. (ach)

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