Ausschreibung ist abgeschlossen

Drei wollen den Renthof: Doch noch gibt es keine Entscheidung

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Soll verkauft werden: Die Stadt will sich vom Renthof, dem ältesten Kasseler Baudenkmal, trennen.

Kassel. Die Ausschreibungsfrist für den Verkauf des Renthofs ist abgelaufen, verkauft ist das älteste Gebäude der Stadt neben der Brüderkirche damit aber noch nicht. „Drei Angebote sind bis zum Ablauf der Frist am 28. Februar beim Liegenschaftsamt eingegangen“, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich.

Die Unterlagen würden derzeit gesichtet. Eine Entscheidung, mit welchem Interessenten Gespräche aufgenommen werden, stehe noch aus.

Hintergrund:

Der Renthof stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er war Teil eines Karmeliterklosters, das als Hofschule, später als Ritterakademie geführt wurde. Ab 1595 war der Renthof Sitz des von Landgraf Moritz gegründeten Collegium Mauritianum, an dem auch der Komponist Heinrich Schütz seine schulische Ausbildung erhielt (1599 bis 1617). Von 1633 bis 1653 war die Universität Kassel im Renthof ansässig. Den Trakt an der Fulda hatte Landgraf Wilhelm IV. als Kanzleigebäude (Rentamt) errichten lassen. Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hat die Stadt das Haus der Sozialgruppe Kassel überlassen, die damals noch „Verein für Volkswohl“ hieß. Seitdem wurden in dem Baudenkmal pflegebedürftige alte Menschen betreut. Im Juli 2013 waren die Bewohner des Seniorenheims in einen Neubau am Unterneustädter Kirchplatz umgezogen. (els/use)

Details zu den einzelnen Sanierungsentwürfen und Nutzungskonzepten sowie zu den jeweiligen Investoren wolle die Stadt daher noch nicht nennen. Nur so viel: „Der Kaufpreis spielt bei der Interessentenauswahl eine untergeordnete Rolle“, sagt Happel-Emrich. Im Vordergrund stünden Auswahlkriterien wie der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes, die angestrebte Nutzung mit Elementen aus Kultur, Bildung, Gemeinbedarf, Wohnen und Gastronomie sowie letztlich die wirtschaftliche Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit der Investition. Tatsächlich waren diese Auswahlkriterien vom Liegenschaftsamt auch als Verkaufsbedingungen in der Ausschreibung formuliert worden.

Ob allerdings die eingereichten Konzepte tatsächlich all diese Vorgaben erfüllen, daran zweifelt zumindest die Kasseler CDU. Die Gefahr bestehe, dass bei nur drei Vorschlägen kein geeignetes Konzept dabei sei, dann die Stadt aus der Not eine Tugend mache, und den Investoren Zugeständnisse einräume, sagt Jörg Westerburg, denkmalpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Weder dürfe es radikale Eingriffe in die historische Bausubstanz geben, noch einen halbherzigen Verkauf, „der lediglich die Stadt von einer denkmalgeschützten Immobilie entlastet“.

Die Stadt indessen teilt diese Zweifel nicht. „Vor Abschluss eines Kaufvertrages ist ohnehin der Grundstücksausschuss der Stadtverordnetenversammlung zu beteiligen“, sagt Happel-Emrich. Insofern sei die politische Kontrolle über den Verkauf des Renthofs in jedem Fall gegeben. Der Renthof ist rund 600 Jahre alt, zuletzt war in dem Gebäude ein Seniorenheim untergebracht. Der Bau mit einer Nutzfläche von 2000 Quadratmetern und einem idyllischen Innenhof steht seit sieben Monaten leer.

Von Boris Naumann

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